Josef Gredler

01 Die Anliegen dieser toskanischen Notizen

 

      Diese toskanischen Notizen sind im Laufe der Jahre auf unseren – meine Frau und ich – unzähligen Streifzügen durch die Toskana entstanden. Zuerst waren sie nur in meinem Inwendigen „aufgeschrieben“, dann habe ich begonnen, sie zu „Papier“ zu bringen. Sie sind kein Reiseführer durch die Toskana und möchten auch nicht als solcher missverstanden werden, die Leserinnen und Leser wären zu recht enttäuscht. Die folgenden Seiten sind also nicht zum Nachschlagen geeignet, man findet darin nicht Informationen, wo, wer, was… Diese toskanischen Notizen sind auch keine Sammlung von Highlights. Sie sind auch weit entfernt von jeder systematischen Beschreibung oder umfassenden Darstellung der Toskana oder auch nur eines Teiles oder eines bestimmten Ortes von ihr. Die Seiten folgen nur selten dem Strom der Touristen. Ihre Reihenfolge hat keinen topographischen Zusammenhang. Diese Notizen verzichten auch ganz bewusst auf Fotos, denn diese wären ein Hindernis für jene Bilder, die sie im Leser, in der Leserin entstehen lassen möchten. Diese Notizen möchten die Toskana erzählen, das Erleben der Toskana in eine beschauliche Sprache heben, erfüllt von der Leidenschaft für Land und Leute dort. So möchten diese Seiten die Leser und Leserinnen zu toskanischen Berührungen anstiften und anregen, selber die Toskana aufzuspüren, ihr nachzuspüren, dabei immer auch das Inwendige hinter dem Äußeren zu sehen, das Vergangene hinter dem Aktuellen, das Unsichtbare hinter dem Sichtbaren – die Toskana gleichsam einzuatmen. Man muss dazu nicht immer dort sein, wo das grelle Scheinwerferlicht der Touristenströme hinfällt. Immer wieder ist es gerade das Unscheinbare, das wenig Beachtete, das Stille und Leise, das solche Erlebnisse ermöglicht. Jedes Erlebnis in diesem Buch ist mit einem bestimmten Ort verbunden. Alle diese Orte sind in diesem Buch, das auch eine Liebeserklärung an die Toskana ist, so genau bezeichnet, dass es dem Leser, der Leserin unschwer möglich ist, sie aufzusuchen, um dem Gelesenen selber nachzuspüren und in eigenen toskanischen Erlebnissen fortzusetzen.

    Wer es schafft, sollte den Fotoapparat besser zu Hause lassen, um durch das Jagdfieber nach Schnappschüssen nicht am erlebenden Schauen gehindert zu werden. Statt Bilder digital festzuhalten, sollte man innere Bilder sammeln und sich bewahren.  Das ist nicht möglich, wenn man die Toskana bloß bereist, von Nord nach Süd oder von Ost nach West. Die Absicht dieser Zeilen verträgt sich nicht mit Blitzvisiten. Um die zehn Millionen Besucher kommen jedes Jahr in die Toskana. Viele davon missbrauchen sie als touristische Schleuse und wollen möglichst schnell möglichst viel Toskana konsumieren. Deshalb werden ihre Schönheit und ihr Reichtum der Toskana gleichzeitig auch zum Problem, zur Gefahr. Kein Besucher, keine Besucherin sollte die Toskana bloß benützen, jeder hat auch Verantwortung, sie zu schützen. Diese toskanischen Notizen richten sich an Leser und Leserinnen, die für ihren Aufenthalt in der Toskana genügend Zeit „eingepackt“ bzw. eingeplant haben und offen sind für toskanische Erlebnisse und Begegnungen. Genügend ist dabei ganz relativ.  Eine Woche ist zu wenig, um die ganze Toskana sehen und erleben zu wollen. Zwei Tage sind aber schon relativ viel, wenn man nur eine Stadt, einen bestimmten Ort besichtigen will, Florenz natürlich ausgenommen. Das Anliegen dieser toskanischen Notizen ist nicht davon abhängig, ob man drei Wochen oder drei Tage Zeit hat, sondern davon, was man in diesen drei Wochen oder drei Tagen alles vorhat. So wünsche ich allen Leserinnen und Lesern dieser Eindrücke, dass ihnen inwendig immer wieder toskanische Blitzlichter aufgehen, das kurze Aufblitzen zu einem anhaltenden Aufleuchten wird, das sie in ihrem Inneren nachhaltig berührt.

 

© Josef Gredler