Josef Gredler

41  Grobe statische Mängel in der EU (22.02.2015)

 

Wer ein Haus baut, darf sich in der statischen Berechnung keinen Fehler erlauben, sonst kann es passieren, dass irgendwelche tragenden Bauelemente versagen oder die Dachkonstruktion einstürzt oder das Fundament dem Druck nicht stand hält... Solche grundsätzlichen Fehler scheinen in der statischen Berechnung der EU-Konstruktion aber passiert zu sein. Die EU gleicht einem überdimensionalen, in seiner Tragfähigkeit falsch berechneten, immer wieder erweiterten, riesigen Baukomplex, der sich über verschiedene Bauphasen  so entwickelt hat:

Baustufe 1:

1957 errichteten Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), schufen quasi ein gemeinsames Wirtschaftsgebäude.

Baustufen 2, 3, 4, 5:

Zehn Jahre später wurde dieses zuerst inhaltlich ausgebaut, aus der EWG wurde nach einigen Turbulenzen die EG, die Europäische Gemeinschaft. In dieser ging es nicht nur um wirtschaftlichen Zusammenschluss, man wollte auch politisch enger zusammenrücken. Dann erweiterte man die Anzahl der Mitgliedsstaaten. 1973 kamen Irland und Dänemark dazu, das war dann die EG-9, vier Jahre später, 1981 kam noch Griechenland dazu, das war die EG-10. Noch einmal vier Jahre später, 1986, wurde mit Spanien und Portugal daraus die EG-12. Man kann sich das vergleichsweise auch als einen Baukomplex vorstellen, der immer größer und größer wurde.

Baustufe 6:

1993 entstand aus dieser EG-12 die Europäische Union, die EU. So eine Art Vereinigte Staaten von Europa war die große politische Vision, deren Hoffnungen einen Prozess auslösten, der noch immer nicht abgeschlossen ist.

Baustufen 7, 8, 9, 10, 11, 12…

Immer mehr neue Staaten wollten und kamen zur EU, die für manche Staaten außerhalb quasi zum „Land der Träume" wurde. Viele Architekten in der EU und in den um einen Beitritt bemühten Länder waren mit euphorischem Eifer dabei, die EU immer noch weiter auszubauen und vergrößern, blind für Probleme, die für eine solche Megakonstruktion entstehen können. Die Euphorie trübte den Blick für die Wirklichkeit. Mittlerweile sind es 28 Staaten, die unter teilweisem Verzicht ihrer staatlichen Souveränität dieser EU angehören. Der Erweiterungsprozess ist noch nicht abgeschlossen, noch immer stehen Staaten vor der Tür und wollen hinein. Ein Megakomplex ist entstanden, der schon wiederholt bedrohliche Risse gezeigt hat, hervorgerufen von Kräften, die man in den statischen Berechnungen offensichtlich nicht berücksichtigt hat.

Die EU wird sich selbst zur  Gefahr:

Ein Mitglied, Griechenland, hat durch Misswirtschaft richtig Sch…e gebaut und steht am Rande des finanziellen Bankrotts.  Die EU, die EZB und der IWF haben schon über 200.000.000.000 (!) Euro Finanzhilfe geleistet, aber Griechenland hat über 300.000.000.000 (!) Euro Schulden und dabei wird es nicht bleiben. Mehr als das Prinzip der Solidarität mag der Selbstschutz ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass die EU wiederholt so tief in die Tasche gegriffen hat. Inzwischen ist in Griechenland eine neue Partei mit populistischen, unhaltbaren Wahlversprechen an die Macht gekommen: sofortiger Stopp des Sparprogramms, Verweigerung der Schuldentilgung, Schluss mit der Kontrolle für das bisherige und noch verlangte Geld! Die neue griechische Regierung hatte ganz richtig erkannt, dass die EU so konstruiert ist, dass der drohende Staatsbankrott Griechenlands auch eine Bedrohung für die EU ist.  Der griechische Regierungschef und sein Finanzminister schlugen Töne an, die man bis dahin nicht für möglich gehalten hatte, und meinten, die ganze EU vor sich her treiben zu können. Die Töne sind inzwischen moderater geworden. Was wirklich herauskommt, lässt sich zum Zeitpunkt, da diese Zeilen geschrieben werden, noch nicht sagen. Tatsache bleibt aber, ein  Bankrott Griechenlands käme auch der EU sehr, sehr teuer zu stehen. Ihr Mauerwerk zeigt erneut große Risse. Und wenn man sich diese mit architektonischem Hausverstand anschaut, dann kann man nur zu einem Schluss kommen: Da müssen in der Planung der Tragfähigkeit der ganzen EU-Konstruktion fatale Fehler und Versäumnisse begangen worden sein. Man hat auf bereits vorhandene und in der Zukunft mögliche Krafteinwirkungen völlig vergessen.

Planungsfehler 1:

Die Türen der EU gehen nur in eine Richtung auf, nur nach innen! Wenn man einmal drinnen ist, kommt man nicht mehr heraus. Das hat verhängnisvolle Konsequenzen. Wenn da drinnen einer nicht mehr mitspielt, sich nicht an die Regeln hält, kann man zwar Strafen gegen ihn verhängen, aber man wird den Verweigerer oder Falschspieler nicht und nie mehr los. Auch wenn die anderen wollen, dass jemand den Ausgang nimmt, dann geht das trotzdem nicht, schon gar nicht, wenn derjenige selber gar nicht hinaus will. Da sind alle machtlos, die Türen gehen nur nach innen auf! Und wenn einer von sich aus hinaus will, die EU verlassen möchte, geht das auch nicht. Also wenn man einmal drinnen ist, geht nichts mehr. Man hat also in der EU schlichtweg auf die Ausgänge vergessen oder war bei Planung undBauausführung der Meinung, dass die Türen nur nach innen aufgehen müssen. Das erinnert an die Schildbürger.

Planungsfehler 2:

Man hat die Aufnahmekriterien zu wenig überlegt oder die vorgegebenen Kriterien zu wenig überprüft oder beides verabsäumt. Da sind Mitglieder „hineingerutscht“, deren Zahlen ihres Staatshaushaltes zum Eintritt gar nicht gestimmt haben, manche behaupten, gefälscht waren. Bei der Aufnahme ist das allerdings niemandem aufgefallen. Das heißt, da spielt jemand oder spielen vielleicht sogar mehrere mit, die haben viel weniger in der Tasche, als sie vorher angegeben haben. Sie sind also unter Vorspiegelung falscher Tatsachen eingetreten bzw. aufgenommen worden, was aber am Desaster und dessen Folgen nichts mehr ändert. Jedes Mitglied muss neben wirtschaftlichen auch politische, ideologische Aufnahmekriterien erfüllen, sonst ist keine gemeinsame EU-Politik möglich. Dass diese Kriterien sträflich vernachlässigt worden sind, wird immer dann augenscheinlich, wenn die Mitgliedstaaten gemeinsame außenpolitische Maßnahmen beschließen wollen, aber sich nicht einigen können, weil man nicht oder zu wenig auf den notwendigen gemeinsamen Nenner geachtet hat.

Planungsfehler 3:

Weil man die Planungsfehler 1 und 2 nicht erkannt hat, ist daraus ein Planungsfehler 3 entstanden. Dieser besteht darin, dass die Türen, die nur nach innen aufgehen (Planungsfehler 1) und die Tatsache, dass da möglicherweise Mitglieder mit falschen Zahlen  und „falschen Zielen“ jetzt in der EU sitzen (Planungsfehler 2) sich wechselseitig so verstärken, dass langfristig der ganzen Baukomplexe EU ins Wanken kommt wie ein Baukomplex, der statisch falsch berechnet worden ist.

 

© Josef Gredler