Josef Gredler

38  Die Eurofighter - ein österreichischer Schildbürgerstreich? (06.10.2014)

 

   Wer kennt nicht die Erzählungen über die Schwänke der Bürger von Schilda, die ob ihrer  fast liebenswürdigen Dummheit als „Schildbürger“ Berühmtheit erlangt haben. In unseren heutigen Lesebüchern der Schulen findet man sie nicht mehr, möglicherweise ein Fehler. Ob die Erzählungen der Schildbürger, hätten die politisch für den Eurofighterkauf Verantwortlichen sie gelesen, den Ankauf der Eurofighter verhindert hätten, muss man bezweifeln. Da werden 15 milliardenteure Kampfjets gekauft, deren Flugstunden und Einsatzfähigkeit, wie sich dann später herausstellt, wir uns aber nicht leisten können. Deshalb stehen diese Jets vorwiegend am Boden. Bei einem der wenigen Flugmanöver hat sich dann herausgestellt, dass Österreich möglicherweise nur eingeschränkt brauchbare Jets gekauft hat, wie durch eine Notlandung eines dieser 15 sündteuren „Austrofighters“ an die Öffentlichkeit gelangt ist.

   Wenn man über die Streiche der Bürger von Schilda noch lachen kann, denn sie sind ja sonst integre und liebenswerte Menschen, deren Streichen ja doch etwas Harmloses anhaftet, treiben einem der Ankauf diese milliardenteuren 15 Kampfjets die Zornesröte ins Gesicht. Denn diese Kampfjets wurden ja mit unserem Geld gekauft. Wenn man sich das, was da geschehen ist, genauer durch den Kopf gehen lässt und mit ein wenig gesundem Hausverstand betrachtet, dann kann man das ja fast nicht glauben.

   Wenn ein kleiner Cafetier zwanzig Espressi an der Registrierkasse vorbei „schwarz“ verkauft, muss er sich wegen irgendeiner Hinterziehung verantworten.  Der Vergleich hinkt zwar ein bisschen, aber die Denkrichtung stimmt, die er aufzeigt. Wenn es aber nicht zwanzig Espressi sind, sondern zwei Nullen mehr, beginnen Erhebungen durch die Staatsanwaltschaft. Nun bin ich als unbedeutender, einfacher Staatsbürger, der aber  1 + 1 zusammenzählen kann, nicht mehr imstande, zu glauben, dass bei diesem Eurofightergeschäft damals alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Ich kann nicht glauben, dass es damals keine Hintermänner oder Lobbyisten gegeben hat, die sich dumm und dämlich verdient haben. Da muss es doch Profiteure gegeben haben. Ich kann nicht glauben, dass alle politisch damals für den Kauf verantwortlichen nur Schildbürger waren. Und ich kann nicht verstehen, dass im Parlament auch jetzt im Nachhinein die Wogen nicht hoch gehen, sondern nur ein Kräuseln an der Wasseroberfläche feststellbar ist. Da stimmt doch etwas nicht!

   Aber der Schildbürgerstreich ist noch nicht zu Ende. Österreich kann sich die Flugstunden dieser 15 Jets nicht leisten, wie sich nach dem Kauf herausstellt. Dann müssen sie eben am Boden bleiben. Aber Österreich kann sich offensichtlich auch das Bundesheer nicht mehr leisten, das man zu Tode spart. Wir sind soeben noch aufgerufen worden, darüber abzustimmen, ob allgemeine Wehrpflicht oder nicht. Und jetzt, nachdem wir uns für die allgemeine Wehrpflicht entschieden haben, stellt sich heraus, dass wir uns die Kasernen nicht mehr leisten können, das Bodenpersonal (Rekruten) zu teuer ist, auch die Instandhaltung und der Betrieb der Militärfahrzeuge nur eingeschränkt leistbar ist und auch die  Klänge der Militärmusik eingeschränkt werden müssen. Kasernen schließen wir, Militärfahrzeuge lassen wir in der Garage, Rekruten bleiben teilweise gleich zu Hause und die Militärmusik gibt es halt nicht mehr live, sondern auf alten Tonträgern. Welcher Teufel hat denn damals die Regierung geritten, dass sie vom Ankauf dieser 15 Kampfjets nicht abzubringen war? Heute würden wir nicht einmal einen kaufen können. Da stimmt doch etwas nicht!!! Mit den Milliarden, die man für die Eurofighter in Schildbürgermanier hinausgeworfen hat, konnte man die Grundausstattung des Bundesheeres entscheidend verbessern: Kasernen in Stand halten, den Fahrzeugpark fahrtüchtig machen und betanken… Da gingen sich sogar noch einige Hubschrauber aus, die wir besser brauchen könnten als Kampfjets.

   Deshalb bitte ich jeden aufrechten Parlamentarier, dass er sich einsetzt, dunkle Flecken bei diesem Deal – es gilt natürlich die Unschuldsvermutung – ans Tageslicht zu bringen, damit dieser Schildbürgerstreich, über den wir leider nicht mehr lachen können, endlich aufgearbeitet wird.

 

© Josef Gredler