Josef Gredler

30  Höchst bedenkliche Weisungen an die Polizei (13.10.2013)

 

   Schon Kinder lernen längst vor dem Schuleintritt, dass man auf der Straße besonders aufpassen muss. Autos, Motorräder, Radfahrer und Fußgänger müssen im Straßenverkehr aufeinander Rücksicht nehmen. Dazu gibt es Regeln, die alle einhalten müssen, damit möglichst wenig Unfälle, am besten gar keine passieren. Die Einhaltung dieser Regeln wird von der Polizei überwacht.  Die Polizei dient also der Sicherheit auf der Straße. „Die Polizei, dein Freund und Helfer“, so haben wir es in der Schule noch gelernt. Die Sicherheit auf unseren Straßen beschäftigt mit Recht alle, die am Straßenverkehr teilnehmen bzw. für diesen Verantwortung tragen,  straßenverkehrsbezogene Einrichtungen und Organisationen, den Kindergarten, die Schule, natürlich auch die Politik. Das Ziel ist allen klar: damit möglichst wenig passiert auf der Straße. Möchte man meinen – wenn es da nicht jene Weisung von oben gäbe, die da laut Medienberichten an Polizei und Polizisten ergangen sein soll, die Zahl der Strafmandate zu steigern bzw. eine  bestimmte Anzahl von Strafmandaten als Soll zu erreichen.  

   Wenn es eine solche Weisung so oder so ähnlich tatsächlich gegeben hat, dann wäre das nahezu pervers. Ein Polizist ist dann nicht mehr für die Verkehrssicherheit da, sondern für die Verkehrsunsicherheit, denn nur diese gibt ihm die Möglichkeit, sein dienstliches Soll an ausgestellten Strafmandaten zu erreichen. Eigentlich müssten wir uns doch alle freuen, wenn auf den Straßen möglichst wenig Menschen zu Schaden oder gar ums Leben kommen. An dieser Freude sollte doch die Polizei teilhaben dürfen. Aber wie soll sich ein Polizist freuen, dass in seinem Verkehrsüberwachungsbereich nichts passiert ist, wenn ihm genau deswegen noch erforderliche ausgestellte Strafmandate fehlen? Er muss dann, so die Wirkung einer solchen Weisung, froh sein, wenn endlich jemand zu schnell fährt,  die rote Ampel übersieht, bei Dunkelheit ohne Licht unterwegs ist, den Vorrang anderer missachtet… Dann kann er seinen Strafmandatsblock hervorholen und dem „Sünder“ eine Geldstrafe verpassen. Am Ende der Woche oder des Monats hat er dann sein Soll erfüllt und ist „aus dem Schneider“. Wenn alle Verkehrsteilnehmer die Regeln einhalten und nichts passiert, hat er ein großes Problem. Er kann sein Soll nicht erfüllen. Aber Gott Lob gibt es auch solche, die zu schnell fahren, falsch abbiegen, die Sperrlinie überfahren, zu viel Promille haben. Aber was soll er tun, wenn die Übertretungen nicht ausreichen, das geforderte Limit zu erreichen?

   Ein bisschen überzeichnet mag diese Darstellung vielleicht sein, aber im wesentlichen ist oder wäre die Wirkung einer solchen (vielleicht nur indirekten) Anweisung oder Aufforderung, mehr Strafmandate abzuliefern, genau so, wie sie hier beschrieben ist.  Schizophren, kann man da nur sagen. Dieser Schuss geht jedenfalls nach hinten los und lässt an der Verantwortung und am gesunden Menschenverstand derer zweifeln, von denen solche Anweisungen kommen. Natürlich hat niemand von oben solche Anweisungen gegeben, wird dementiert. Dann ist bzw. wäre ja alles gut. Aber sollte doch jemand Anweisungen so oder so ähnlich nach unten ausgegeben haben, dann haben die ganz oben einen Handlungsbedarf, denn: Je weniger Strafmandate ausgestellt werden müssen, desto besser und nicht umgekehrt! Wenn nichts passiert ist, weil sich alle an die Regeln halten, dann sollte das Anlass zur Freude sein – bei jedem Polizisten, bei seinen Vorgesetzten, bei uns und bei denen ganz oben.

 

© Gredler Josef