Josef Gredler

14  Hiroshima und Fukushima (05.03.2012)

 

6. August 1945, Hiroshima,

Tag unvorstellbaren Grauens,

nie da gewesenes Inferno,

260.000 Menschen finden den Tod,

Opfer gespenstischer nuklearer Gewalt,

163.263 Menschen werden verwundet oder vermisst.

Das alles berechnend und gewollt geschehen

aus Menschen verachtendem politischem Kalkül -

Kriegspolitik

11.März 2011, Fukushima,

Erdbeben und Flutwelle führen zu Horrorszenario

und abermaligem Inferno nuklearer Physik,

das tausendfach menschliches Leben auslöscht,

Luft, Boden, Wasser, Nahrungsmittel,

Umgebung und Zukunft vergiftet

und die Schatten des Todes ausbreitet

über ganze Landstriche,

nicht in absichtlicher Gewalt,

aber in der wahnwitzigen Hybris,

Herr über die atomare Natur zu sein.

Weil das scheinbar Beherrschbare

nicht beherrscht werden konnte,

tausendfache Opfer atomarer Energie -

Energiepolitik.

Hiroshima als Mahnung zur Abkehr

von der todbringenden Spirale der Gewalt.

Fukushima als Mahnung zur Abkehr von den Geistern,

die man nicht mehr los wird,

wenn man sie einmal gerufen hat.

Trotzdem werden jene todbringenden Waffen

weiter gebaut und politisch benützt,

bis sie irgendwann, irgendwo wieder verwendet werden,

um neuerlich Zigtausenden Menschen den Tod zu bringen.

Trotzdem werden weiterhin nukleare Kraftwerke gebaut

zu friedlichem Zweck gedacht,

um Menschen mit Strom zu versorgen,

den Wohlstand zu sichern,

bis das Beherrschbare sich neuerlich als unbezähmbar erweist

und Tod, Zerstörung und Verwüstung hinterlässt.

Gewalt und Unbelehrbarkeit bestimmen den Lauf der Dinge.

Die Menschen als ihre folgsamsten Schüler,

verehren sie und verheeren die Welt,

die ihnen zum Leben gegeben ist,

nicht zur Zerstörung.

 

© Josef Gredler