Josef Gredler

14  Wer Sparpakete schnürt, darf nicht vergessen, dass… (09.02.2012)

 

    Ein alter und einleuchtender Grundsatz lautet: „Niemand kann (auf Dauer) mehr ausgeben, als er hat.“ Das gilt für die Brieftasche des „kleinen Mannes“ und der „kleinen Frau“, für die Finanzplanung einer Familie und auch für die Budgetplanung jedes Staatswesens. Niemand kann sich auf Dauer mehr leisten, als er hat. Wer sich nicht daran hält, den holt früher oder später die Wirklichkeit seiner Zahlungsunfähigkeit ein. So schlittern Privatpersonen und Privathaushalte in Konkurs, gehen Wirtschaftsunternehmen und Vereine pleite und kann auch ein souveräner Staat zahlungsunfähig werden. Neue Schulden können in einer so dramatischen Situation das Problem nicht mehr lösen, sondern die Talfahrt höchstens hinauszögern, an deren Ende dann der freie Fall, der totale Absturz gewiss ist. Da hilft nur noch eines: den Gürtel enger schnallen, d. h. Sparmaßnahmen ergreifen. Den Gürtel denen enger schnallen, die so schon zu wenig Luft bekommen, ist unmoralisch. Da wird man schon genau schauen müssen, bei wem ein Engerschnallen des Gürtels sozial zumutbar ist. An einem (sozial bestmöglich ausgewogenen) Sparpaket führt kein Weg mehr vorbei. Das ist für die allermeisten grundsätzlich einleuchtend und verständlich. Warum aber gibt es trotzdem so viel Ärger, Wut und Widerstand bei vielen? Ich sehe dafür vor allem zwei Gründe:

  1. Immer wieder – die Medien berichten fast täglich davon – werden politische und wirtschaftliche Verantwortungsträger (Leute an Schaltstellen) der Misswirtschaft, der Korruption, der Bestechung, der Veruntreuung, des Betrugs überführt. Vielen von ihnen hätte man es nie zugetraut, aber sie haben tatsächlich „Dreck am Stecken“. Das hat vielen Menschen, vor allem „den Kleinen“, das Vertrauen genommen, dass in Wirtschaft und Politik saubere Lösungen die Regel sind. Wenn man davon ausgeht, dass die aufgedeckten Fälle nur die Spitze des Eisbergs sind, dann kann einem ja wirklich übel werden.
  1. Diejenigen, die das Sparpaket schnüren, stehen im Verdacht, selber davon nicht oder nur marginal betroffen zu sein. Wenn das nicht stimmen sollte, dann können sie diesen Verdacht ja leicht aus dem Weg räumen und den Menschen, für die und in deren Auftrag und mit deren Stimme sie regieren, mitteilen, wie hoch ihr Einkommen vor und wie hoch es nach in Kraft treten des Sparpaketes ist. Warum tun sie es nicht? Warum verlieren Sie über die Auswirkungen des Sparpaketes auf ihr Einkommen kein Wort? Sie dürften sich diese Chance, die gleichzeitig auch ihre moralische Pflicht wäre, nicht entgehen lassen, es sei denn, dass der Verdacht stimmt. Über das eigene Einkommen den Mantel des Schweigens breiten und über die Kürzung des Einkommens anderer zu entscheiden, ist politisch unklug und moralisch verwerflich. Die Leute glauben lassen, dass es sich „die da oben“ schon richten, ist fahrlässiger, respektloser Umgang mit der öffentlichen Meinung oder die Wahrheit oder beides zugleich.

 

© Josef Gredler