„Habgier im Vatikan“ von Gianluigi Nuzzi

 

     Gianluigi Nuzzi, italienischer Enthüllungsjournalist, verfolgt Polit- und Finanzskandale in Italien und im Vatikan. Von ihm sind bisher die Bücher „Vatikan AG“ (2009), „Seine Heiligkeit“ (2012), „Alles muss ans Licht“ (2015) und „Erbsünde“ (2018) erschienen.  Im 2019 erschienenen Buch „Habgier im Vatikan“ wagt er sich ins Innerste des Kirchenstaates vor, bekommt Einsicht in viele vertrauliche Dokumente, die ihm zugespielt werden, und kommt zum Schluss, dass der Vatikan vor dem Bankrott steht. Alle dabei gewonnenen Eindrücke und festgestellten Fakten veranlassen ihn zur Diagnose, dass Habgier des Vatikans bzw. zahlreicher Kardinäle, Bischöfe, Prälaten und Laien in leitenden Funktionen der Kurie die Ursache für dieses moralische und finanzielle Desaster ist.

     Gianluigi Nuzzi hat offensichtlich ganze Arbeit geleistet. In diesem Buch präsentiert er auf über dreihundert Seiten das Ergebnis seiner minutiösen Arbeit. Er zeigt auf, dass Lug und Trug, Intrigen, Amtsmissbrauch, Bestechung, Schmiergeld, Korruption, Geldwäsche, Fallenstellen und dunkle Machenschaften die probaten Mittel dieser vatikanischen „Jünger des Geldes“ sind. Der Leser ist überrascht, wo der Vatikan überall seine Finger im Spiel hat, sogar in sehr fragwürdigen, höchst „unkirchlichen“ Investitionen und Beteiligungen.

     Die Ergebnisse der umfangreichen Recherchen werden vom Autor sehr detailliiert dargestellt, frei von subjektiven Ausuferungen. Die Leser hat jedoch immer wieder etwas Mühe, den teilweise sehr trockenen, minutiösen Darstellungen immer genau zu folgen. Aber gerade dieser betont sachliche, keinesfalls reißerische Schreibstil verleiht dem Buch Glaubwürdigkeit. Kleingedruckte lange Einschübe mit besonderen Details, Protokollen… sind in ihrem Zusammenhang zum gerade Berichteten nicht immer ausreichend verständlich und erwecken den Eindruck, dass man dieses Buch möglichst schnell erscheinen lassen wollte.

     Papst Franziskus versucht seit Jahren, mit Reformen gegen diese Situation anzukämpfen, spart nicht mit harscher Kritik und findet deutliche Worte. Seine Bemühungen werden aber von diesen vatikanischen „Jüngern des Geldes“ raffiniert sabotiert. Der Leser spürt, auf welch schweren Kampf der Papst sich da eingelassen hat. Ob dieser erfolglos bleiben wird, das kann dieses Buch nicht beantworten, auch wenn man als Leser keinen Grund zu einer optimistischen Einschätzung findet.

     Ein langjähriger Weggefährte aus beruflichen Tagen, mit dem ich mich gerne in kirchlichen Fragen austausche, findet zu diesem Buch den treffenden Schlusssatz: „Die mit der Habgier verbundene Wirklichkeit, die dieses Buch aufzeigt, darf nicht beschönigt oder ausgeblendet werden. Vielmehr gilt es, diesem Übel überall entgegenzutreten und es entschieden zu bekämpfen – im eigenen Herzen, im eigenen Umfeld, in der Gesellschaft und insbesondere in der Institution katholische Kirche.“

 

© Josef Gredler