Josef Gredler

Was seid ihr bloß für Menschen?

 

     Um zu sagen, was zum abscheulichen Gemetzel im sogenannten Todesgatter in Kaisers im Lechtal zu sagen ist, muss ich das anonyme Du bzw. Ihr wählen.

     Wie notwendig diese „Rotwildreduktion“ war, kann ich nicht ausreichend beurteilen. Dass es aber verträglichere, schonendere Methoden der „Reduktion“ gegeben hätte, habe ich von weidmännischen Fachleuten erfahren. Was seid ihr bloß für Menschen, die Sache so zu erledigen? 33 Rehe, Hirsche… in einem sogenannten Todesgatter zusammentreiben und dann mit ihnen so ein Gemetzel zu veranstalten. Das verdient tiefe Abscheu. Mit euch meine ich nicht nur den einen, der mit dem Gewehr am Gatter steht. Dass ihr es ausgehalten habt, 45 Minuten lang mit den eingesperrten Rehen und Hirschen ein solch grausames Szenario durchzuziehen, wirft bei mir die Frage auf, ob und was solche Leute überhaupt noch empfinden. Ich meine damit auch die politisch und behördlich Verantwortlichen, die das angeordnet bzw. gebilligt haben, dafür also verantwortlich sind. Es ist nichts als Ausrede, wenn nun erbärmlich erklärt worden ist, man habe vorher nicht gewusst, dass das so eskaliert. Womit habt ihr denn gerechnet? Dass sich Rehe und Hirsche der Reihe nach vor den Gewehrläufen anstellen?

     Die Jägerschaft sehe ich allerdings auch und unbedingt in der Mitverantwortung. Dass sie die behördlichen Anweisungen bzw. Aufforderungen im Vorfeld ignoriert hat, macht sie aus meiner Sicht mitschuldig an dem, was in diesem Gatter so grausam geschehen ist. Dass ihre nachträgliche Empörung und Schuldzuweisung wegen des Tierwohls erfolgen, vermag ich nicht zu glauben, vor allem nachdem ich mittlerweile weiß, wieviel so ein Abschuss von einem ausgewachsenen Hirsch kostet, welchen Wert in Euro so eine Trophäe hat. Wenn die Jägerschaft wirklich so besorgt um das Tierwohl gewesen wäre, hätte sie doch vorher Möglichkeiten gehabt, dieses Gemetzel in diesem Todesgatter zu verhindern. Haben da möglichweise Zwistigkeiten und ein Kräftemessen im Hintergrund mitgespielt?

     Setzt euch alle, die ihr für diese blutige „Gatterentnahme“ verantwortlich bzw. mitverantwortlich seid, einmal in euren Fernsehstuhl, schließt die Augen und lasst das Gemetzel, das ihr da veranstaltet oder angeordnet oder zumindest mitzuverantworten habt, vor euren inneren Augen ablaufen! Das Ganze dauert genau so lang wie eine Fernsehserie zur Primetime: Dann seht ihr, wie die Tiere nach dem ersten Schuss in ihrer Panik gegeneinander und gegen die Absperrung rennen, nach jedem weiteren Schuss – denn nicht jeder ist tödlich – noch mehr in Panik geraten, an der Absperrung oder schlecht getroffen verenden. Bei manchen dauert es sehr lang, bis sie endlich von ihrem Leiden und Schrecken erlöst sind. Das Ganze dauert 45 Minuten. Wenn ihr dann wieder die Augen aufmacht und euch nicht die Schamesröte im Gesicht steht, dann habe ich dafür nur eine Erklärung: Ihr fühlt nichts.

 

© Josef Gredler