Josef Gredler

64 Eine Entschuldigung, die keine ist

 

   Wer sich einmal aufrichtig entschuldigt hat, der erinnert sich, dass hier inwendig etwas gebrannt hat. Da war etwas, das man gern ungeschehen gemacht hätte. Ein Wort, das man gern zurückgeholt hätte, aber es war schon draußen. Man hat etwas getan, von dem man möchte, man hätte es nicht getan. Ja man fühlt sich schuldig, man weiß um seine Schuld und die Verantwortung dafür. Und weil es einem tatsächlich leidtut, wählt man den Weg des Sich-Entschuldigens. Dieser Weg ist immer auch etwas schmerzhaft, aber man wählt ihn aus der Einsicht in persönliches Versagen, man weiß und fühlt sich schuldig.

   Wie erbärmlich hören sich da manchmal sogenannte Entschuldigungen von Leuten an, die in der Öffentlichkeit stehen, vor allem von politischen Mandataren aus der Politik:

   „Wenn ich jemand verletzt haben sollte, dann tut es mir leid, das war nicht meine Absicht.“ Oder: Wenn ich dadurch jemand beleidigt haben sollte, dann tat es mir leid.“ Also wenn ich richtig verstehe, das was er/sie gesagt hat, tut ihm/ihr nicht leid, sondern nur die dadurch erzielte Wirkung. Vom Inhalt des Gesagten distanziert man sich nicht. Man bedauert nur, dass man damit andere verletzt hat, was angeblich nicht beabsichtigt war. Oder bedauert man gar nur die entfachte Aufregung und Diskussion und mögliche politische Konsequenzen? Da fehlen jedwede Schuldeinsicht und jedwedes Schuldeingeständnis. Das ist alles, aber Entschuldigung ist das keine.

   „Das war leider ein Fehler“ ist ein anderer Sager, ein „Weichspüler“ für etwas, das man ehrlicherweise und treffender als Unrecht, als Vergehen… bezeichnen sollte. Fehler klingt so verharmlosend, zu steril, um wirklich peinlich zu sein, denn jeder darf mal einen Fehler machen. Für einen Fehler muss man sich ja auch nicht schämen, der kann doch jedem mal passieren. Eigentlich nichts als eine leere, billige Floskel für begangenes Unrecht.

   Wer sich wirklich entschuldigen möchte, steht zum begangenen Unrecht, deshalb wählt er/sie diesen Weg. Schuldeinsicht ist wesentliche Voraussetzung für eine ehrliche und glaubhafte Entschuldigungsbitte. Einer solchen wohnt immer auch eine bestimmte Größe inne, die man braucht, um sein Versagen nicht kleinzureden. Diese Größe haben leider viele oft nicht, die irrtümlich glauben, sich entschuldigt zu haben. Um die Kultur des Sich-Entschuldigens ist es vor allem in der politischen Öffentlichkeit schlecht bestellt, sie hat ihre Aufrichtigkeit verloren, ist zu einem politischen Kalkül verkommen.

 

© Josef Gredler