Josef Gredler

53 Donald Trump for president - die schlimmste Befürchtung ist wahr geworden (12.11.2016)

 

   Jetzt ist passiert, womit eigentlich niemand gerechnet hat, was scheinbar die große Mehrheit als das Untragbare ablehnen würde: Der Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika für die kommenden vier Jahre heißt Donald Trump – der im Wahlkampf mit Beleidigungen, Beschimpfungen, Entgleisungen, oft unter der Gürtellinie, mit widerlichen und bösen Bemerkungen die Menschen vor den Kopf gestoßen hat, dass sogar in seiner eigenen Partei das Unbehagen darüber gestiegen ist, dass man Trump hat „in den Ring steigen lassen“, um sich für das Amt des amerikanischen Präsidenten zu bewerben.  Tatsächlich hat er  das dann mehr im Stil eines Boxers als einen angehenden Staatsmannes getan. Manche republikanischen Parteigranden haben ihre Verantwortung und ihr Entsetzen über seine verbalen Rundumschläge dadurch bekundet, dass sie sich öffentlich vom Präsidentschaftskandidaten ihrer Partei distanziert haben. Niemand hätte auch nur einen Dollar auf Donald, den…. gesetzt. Man glaubte sich im falschen Film, als an jenem Mittwoch, den 9. November 2016 vor den Fernsehschirmen entsetzliche Gewissheit wurde, dass das unmöglich Scheinende Wirklichkeit wird.  Eine Welle des Entsetzens ging durch die amerikanischen und europäischen Medien. Noch immer branden die Wellen der Entsetzens an das Ufer der Verlierer – in den Staaten und außerhalb. Auch ich bin entsetzt, schockiert, sprachlos. Doch irgendwann muss bei den enttäuschten Verlierern das Lamentieren konstruktiveren Konsequenzen Platz machen. Ein erster notwendiger Schritt ist, dass dieses Entsetzen richtig adressiert wird. Über wen muss man entsetzt sein? Weniger über Donald Trump. Leute mit dieser Sprache gibt es ja überall genug. Dass unter denen, die Präsident werden möchten, auch einmal so jemand sein kann wie Trump, darf niemanden verwundern.

   Entsetzt muss man jedoch darüber sein, dass solche Beleidigungen und Beschimpfungen in den USA kein Hindernis mehr sind, Präsident zu werden. Der moralische Anspruch an dieses Amt ist auf null gesunken! Was ist denn los mit diesem Land und seinen 322 Millionen Menschen, dass so jemand mehrheitlich an Spitze des Staates gewählt wird? Nicht dass es Trumps gibt, ist das Verwunderliche, sondern dass Trumps die Mehrheit der Stimmen hinter sich vereinen können. Ich glaube, dass wir unsere Vorstellung von der amerikanischen Gesellschaft korrigieren müssen. Noch nie seit den Jahren des Bürgerkriegs im 19. Jahrhundert waren die Vereinigen Staaten von Nordamerika so gespalten. Das Ausmaß der Spaltung war den Amerikanern am Morgen des 9. Novembers noch gar nicht bewusst. Sie wurden von diesem Ergebnis selber überrascht, die eine Hälfte hat sich dann in einen Freudentaumel gestürzt, die andere Hälfte ist in Schockstarre verfallen. Die Möglichkeit, dass so etwas passieren kann, ist noch schlimmer als die Tatsache, dass es passiert ist. Was ist von der Zukunft zu erwarten, in der Trump die Richtung bestimmen will und in der die Bevölkerung des militärisch und wirtschaftlich mächtigsten Landes gespalten ist, wie seit  dem Bürgerkrieg nicht mehr?

   Entsetzen müssen aber auch die Reaktionen in Europa auslösen, bei den „Ahnen“ der Amerikaner. Dass viele Regierungen der europäischen Länder und Vertreter der Europäischen Union sich in diplomatischer Höflichkeit und Zurückhaltung äußern, ist realpolitisch notwendig. Dass sie Mitarbeit und Zusammenarbeit anbieten auf Basis „unverzichtbarer Werte“ sind die richtigen und notwendigen ersten Signale über den Atlantik. Besorgniserregend sind jedoch die Kommentare, die Führer und Treiber der europäischen Rechten von sich geben. Dauernd ihre Namen zu nennen, ist zu viel der Ehre für sie. Sie möchten ja in Europa gerne das Gleiche inszenieren und werden aus dem Erfolg Trumps die Erkenntnis ableiten, dass eine Gesellschaft nur ausreichend gespalten sein muss, dann hat die Stunde der Rechten geschlagen. Empörung packt mich, wenn ich lese, dass der Führer der österreichischen Rechten ohne Bedenken und Skrupel Donald Trump dafür lobt, dass er so „authentisch“ war. Man erinnere sich, welche unglaublichen Beleidigungen, die Donald Trump sich im Laufe des Wahlkampfes geleistet hat. Sie sollen hier nicht wiederholt werden, es haben sie ja alle gehört. Und wer trotzdem ein wenig Hilfe zur Erinnerung braucht, kann diese ja googeln. Man verbinde jetzt diese Beleidigungen mit der Tatsache, dass der, aus dessen Mund sie stammen, der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika ist. Wie hören sich dann Sätze wie folgende an?

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika ist der Meinung, dass…  Und dann ergänze man diesen Satz mit dem, was Donald Trump über Frauen, Muslime, Mexikaner, Homosexuelle, Kriegsveteranen… gesagt hat.   So viel zur Authentizität von Donald Tramp, für die der führende österreichische Rechtspolitiker so anerkennende Worte findet.

 

© Josef Gredler