Josef Gredler

47  Vorwahlen in den USA und ein mögliches Horrorszenario (11.02.2016)

 

Die folgenden Zeilen werden nach den Vorwahlen zur US-Präsidentschaft in Iowa und New Hampshire niedergeschrieben:

   Um ehrlich zu sein, rückt für mich die Frage, wer in Österreich aus den bevorstehenden Wahlen zum Amt des Bundespräsidenten als Sieger hervorgeht, in den Hintergrund, wenn ich die Ereignisse und Ergebnisse der zwei bisherigen Vorwahlen in den USA verfolge. Nicht dass ich es für unwichtig oder gar einerlei halte, wer der künftige Bundespräsident bzw. die künftige Bundespräsidentin Österreichs wird. Aber auf die große Weltpolitik wird dieses Ergebnis nur sehr begrenzten Einfluss nehmen können. Ganz anders die Situation in den USA. Wer dort Präsident wird, hat ganz direkten und allergrößten Einfluss auf das weltpolitische Geschehen. Wahrscheinlich bin ich als österreichischer Staatsbürger von den Entscheidungen des amerikanischen Präsidenten oder einer amerikanischen Präsidentin sogar mehr (mit)betroffen als von den Entscheidungen des österreichischen Staatsoberhauptes. Dies liegt nicht so sehr am großen Unterschied der Verfassung beider Staaten, sondern viel mehr an deren völlig unterschiedlicher weltpolitischer Bedeutung. Im Extremfall entscheidet der amerikanische Präsident über Krieg oder Frieden für die ganze Welt, über Zukunft oder Untergang. Und aus dieser Tatsache erklären sich meine Albträume, die mich befallen, wenn ich an folgendes Szenario denke:

   Donald Trump wird Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Putin ist Präsident der Russischen Föderation. China bleibt, wie es ist, wie immer das Staatsoberhaupt und der Regierungschef heißen werden. Dann stelle man sich die großen weltpolitischen Fragen, Themen und Konflikte vor und wie die drei Führer der drei großen Weltmächte an einem Tisch sitzen oder auch nur miteinander telefonieren, um letzten Endes dazu das letzte Wort zu haben, unter Umständen über Krieg und Frieden, Zukunft und Untergang. Die EU wird nicht an diesem Tisch sitzen, zumindest wird ihr Vertreter nichts zu sagen haben, seit die EU selber das U gestrichen und durch einen bloßen Apostroph ersetzt hat.

   Auf dem Tisch liegen einzelne Kartonschilder mit den großen, brennenden weltpolitischen Fragen: Syrien, Irak, Türkei – Kurden, Israel – Palästinenser, Ägypten, Libyen, Tunesien, Algerien, China - Taiwan, Russland - Ukraine mit Krim, Afghanistan, IS und IS-ähnliche Milizen, weltweite Terrorbedrohung, Nordkorea, Klimaerwärmung, Verschmutzung der Weltmeere... Und diese drei Herren haben darüber das letzte Wort. Ich muss gestehen, dass ich darob nicht mehr gut schlafen kann.

 

© Josef Gredler