Josef Gredler

46  Geld und die Vergabe sportlicher Großereignisse (19.10.2015)

 

   Die jüngsten Berichte der Medien, dass angeblich – laut Bericht des deutschen Magazins „Der Spiegel“ – sogar die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland „gekauft“ worden sein soll, hat bei vielen Fußballfans Entsetzen ausgelöst und in der Medienlandschaft die Wellen hoch gehen lassen. Dass es in der FIFA Korruption und Bestechung gegeben hat, hochrangige Persönlichkeiten – oder sagen wir besser nur „Personen“ – suspendiert worden sind, Anklage gegen sie im Raum steht und schlussendlich auch der große FIFA-Boss Sepp Blatter den Hut nehmen musste und möglicherweise auch er auf der Anklagebank Platz nehmen wird müssen und ihm im Falle einer Einreise in manchen Ländern eine Verhaftung droht, das alles wirft dunkle Schatten auf den Fußball. Aber dass jetzt auch der DFB und die Galionsfigur des Deutschen Fußballs, Franz Beckenbauer, bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland mit Geld „nachgeholfen“ haben sollen, um Deutschland die WM 2006 zu sichern, das löst in der Sportwelt nahezu ein Erdebeben aus. Natürlich muss die Unschuldsvermutung gelten, aber selbst die deutsche Hochpolitik verlangt Aufklärung. Dass Russland und Katar nicht ohne finanzielle Nachhilfe zur WM gekommen sein sollen, das kann man in seiner inneren Logik irgendwie noch nachvollziehen, aber dass dies auch auf die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland zutreffen sollte, scheint für manche unfassbar und übersteigt ihr Vorstellungsvermögen. „Das kann doch nicht wahr sein!“ so der landesweite und auch landesübergreifende Tenor. Natürlich spielt da auch viel Schadenfreude mit, dass es endlich auch „die“ erwischt hat. Und so mancher hat mit „denen“ eine Rechnung offen.

   Ob es wahr ist oder nicht, wird sich zeigen oder auch nicht. Ein großer irreparabler Schaden für den Fußball, den Sport und seine Großereignisse bleibt zurück. Alle, die jetzt entsetzt sind, dass sogar Deutschland bzw. sein Fußballbund und insbesondere der große „Kaiser Franz“ in den Verdacht gekommen sind, schmutzige Methoden angewandt zu haben, denen sei ganz realistisch eine schmerzhafte Frage ans Herz gelegt: Glaubt ihr tatsächlich, dass sportliche Großereignisse wie Fußballweltmeisterschaften oder Olympische Spiele auf ehrliche und saubere Weise vergeben werden? Ich glaube, dass derlei Großveranstaltungen mit einer so hohen wirtschaftlichen,  politischen und medialen Bedeutung grundsätzlich nicht ohne korrumpierende Geldflüsse zugesprochen werden. Jene Vergabeentscheidungen, die ohne Geldinjektionen = Bestechungen über die Bühne gehen, sind meines Erachtens die Ausnahme. Wer über die oft merkwürdigen und manchmal nicht mehr nachvollziehbaren Entscheidungen kritisch nachdenkt, muss folgerichtig zum einsichtigen Schluss kommen, dass Korruption ein ganz „normaler“ Bestandteil eines solchen Vergabeprozesses ist und eine saubere Vergabe, wenn es eine solche überhaupt gibt, die Ausnahme darstellt. Natürlich werden Sportverbände und Organisationskomitees aufheulen und solche Pauschalverdächtigungen empört zurückweisen – was sollten sie denn anderes tun? –, aber wer tatsächlich meint, dass eine solche Entscheidung, die an das Votum so vieler Einzelpersonen gebunden ist – und das einiger Personen muss doch auch käuflich sein, seinen Preis haben –, ohne Schmiergeld abläuft, ist ein naiver Träumer.

 

© Josef Gredler