Josef Gredler

Kehrt um zu mir von ganzem Herzen

 

„Kehrt um“ sind die ersten Worte, die „der Herr“ heute am Aschermittwoch in der Lesung aus dem Buch Joel an uns richtet. Die Richtung, wohin wir umkehren sollen, kann nur „zu mir“ sein. Er will unser Ziel sein, auf den hin unser ganzes Leben sich zubewegen soll. Und es soll kein halbherziges Umkehren sein, sondern ein Umkehren „von ganzem Herzen“. Das Herz muss diese Umkehr antreiben. Es muss eine Umkehr sein, die also von innen kommt, die inwendig in mir passiert, sich nicht im Äußeren verliert. Es geht nicht um sichtbare Leistung, um sichtbare Werke. Es soll ein Umkehren mit „Fasten, Weinen und Klagen“ sein. Alle drei sind losgelöst von sichtbaren Werken, sind kein zählbares Ergebnis, keine Wertschöpfung. Wir müssen nichts vorweisen. Fasten, weinen und klagen meinen etwas Inwendiges, aus dem Herzen Kommendes. Man sieht zwar die Tränen, aber eigentlich weint man im Herzen. Man hört zwar die klagenden Worte, aber es ist das Herz, das klagt. Deshalb sollen wir unser „Herz zerreißen, nicht unsere Kleider“. Umkehren ist etwas, was zutiefst in uns geschieht. Es geht um unser Herz, nicht um das äußerlich Sichtbare. Theatralisch seine Kleider zerreißen ist kein Zeichen der Umkehr. Das Herz müssen wir in die Hand nehmen. So „kehrt um zum Herrn, eurem Gott!“ setzt Joel fort. Er lässt uns nicht im Unklaren, wohin die Umkehr geht: hin zu dem, der hinter und über allem ist. Über ihm gibt es nichts mehr. Und wir müssen das nicht ohne guten Grund tun, sondern weil „er gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte ist“.

 

© Josef Gredler