Josef Gredler

Hat Gott die Welt erschaffen? Was (wir) Christen glauben:

 

- Im Buch Genesis der Bibel des Alten Testamentes steht, Gott hat die Welt und alles Leben erschaffen.

- Die Naturwissenschaft behauptet, die Welt und alles Leben hat sich in Jahrmillionen oder gar Jahrmilliarden aus einem „Urknall“, aus niedrigeren Lebensformen in immer höhere entwickelt – bis zum Menschen. Diesen Prozess nennt sie Evolution.

- Wer hat recht, die Bibel oder die Naturwissenschaft? Was stimmt nun, der biblische Schöpfungsglaube oder die wissenschaftliche Evolutionstheorie?

 

Dazu eine kleine, aber wahre Begebenheit: Papst Johannes XXIII. wurde bei einem Bankett mit Vertretern der Wissenschaft von seinem Sitznachbarn, einem Naturwissenschaftler, gefragt, ob er nicht Angst habe, dass bei allen Entdeckungen der Wissenschaft eines Tages kein Platz mehr für Gott sei. Der Papst lächelte und meinte: Was immer die Naturwissenschaft erforschen und entdecken werde, es kann niemals dem Glauben an einen Gott widersprechen.

 Johannes XXIII. wollte damit sagen, dass der Glaube der Bibel nie in einem Widerspruch zu den Erkenntnissen der Naturwissenschaft stehen kann. Tatsächlich aber sehen viele einen Widerspruch zwischen dem, was in der Bibel über die Erschaffung der Welt steht, und dem, was die Wissenschaft von der Entstehung des Lebens weiß. Der biblische Schöpfungsglaube und die wissenschaftliche Evolutionstheorie sind keine Widersprüche, sondern sind sehr wohl „kompatibel“. Wie lässt sich aber dieser scheinbare Widerspruch zwischen Bibel und Wissenschaft auflösen?

 Die Bibel berichtet von der Erschaffung der Welt in Bildern. Die „sechs Tage“ für die Erschaffung der Welt sind ebenso Bilder wie der „Lehm“, aus dem Gott Adam geformt und ihm dann das Leben eingehaucht hat. So sind beide biblischen Schöpfungserzählungen, der „Bericht“ von der Erschaffung der Welt in sechs Tagen und die „Erzählung“ von der Erschaffung der ersten Menschen Adam und Eva im Paradies, Bilder, mit denen uns eine wichtige Wahrheit mitgeteilt werden soll: Die Welt und alles Leben kommt von Gott.

 Gott hat also die Welt nicht im sechs Tagen erschaffen, den ersten Menschen nicht aus Lehm geformt und die erste Frau nicht aus einer Rippe des Mannes, sondern hat die Welt und das Leben in ihr im Laufe von Jahrmillionen nach seinem großartigen Plan sich entwickeln lassen. Die Bibel will nicht sagen, WIE Gott die Welt erschaffen hat, aber sie will sagen, DASS Gott die Welt erschaffen hat. Natürlich will sie uns noch viel mehr darüber sagen.

 Dazu ein kleiner Vergleich: Ein köstliches Schoko-Bonbon ist zuerst in ein schönes, buntes Papier eingewickelt und dann in einem schönen, auffälligen Karton verpackt. Zuletzt ist auch diese Bonbonniere noch mit einer transparenten Hülle umwickelt. Diese Verpackung hat die Aufgabe, auf den Inhalt, das Bonbon, aufmerksam zu machen, den Inhalt zu schützen, den Inhalt weitergeben zu helfen. Die Verpackung ist wichtig, aber sie ist nicht der Inhalt. Niemand steckt statt des Bonbons das schöne Verpackungspapierl in den Mund. Man darf die verpackenden Bilder der Schöpfungsberichte nicht mit dem Inhalt = der verpackten Wahrheit verwechseln. Die sechs Tage, die „dann sprach Gott“-Worte, das Paradies, der Lehm, die Rippe… das alles sind Bilder bzw. „Verpackungen“ der Wahrheit. Aber die Wahrheit selber, das „Bonbon“ ist: Die Welt und alles Leben kommt von Gott.

 Der Glaube an einen Schöpfergott ist nicht Sache von Einfältigen und Dummen, die es halt nicht besser wissen. Es gibt Naturwissenschaftler, die trotz Evolution glauben, dass hinter allem ein Schöpfergott ist. Naturwissenschaft und Religion, Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube sind nicht Gegensätze, sondern können sich ergänzen. Die Frage, wer recht hat, die Bibel oder die Wissenschaft, stellt sich gar nicht, weil sie keine Gegensätze sind.

So beten wir Christen im Glaubensbekenntnis: Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde…

 

© Josef Gredler