Josef Gredler

Auferstehung oder nur Osterglaube?

 

Vorbemerkung: Dieser Beitrag folgt einer Anregung von Freunden. Die folgenden Zeilen verzichten ganz bewusst auf theologische Fachausdrücke, nehmen auch keinen Bezug zu einschlägigen theologischen Veröffentlichungen, die auf vielen Seiten versuchen, den christlichen Auferstehungsglauben zu begründen (nicht zu beweisen) und sinnvoll erscheinen zu lassen. Die folgenden Zeilen versuchen stattdessen, in einer einfachen, allgemein verständlichen Sprache und unter Verzicht auf einen langen theologischen Diskurs auf Fragen nach der Auferstehung eine komprimierte und grundsätzliche Antwort geben. Dass in dieser Kürze Gedanken und Argumente zu wenig differenziert dargelegt werden können, wird bewusst in Kauf genommen.

 Wer die Evangelien liest, ihre Botschaft hört, darüber nachdenkt und sich das Berichtete vorzustellen versucht, wird sich zwangsläufig immer wieder fragen, ob sich alles auch wirklich so zugetragen hat, wie die vier Evangelisten berichten. Gewisse Zweifel kommen auf, weil die Verfasser der Evangelien ja nicht alle genau dasselbe berichten. Der eine berichtet etwas, was beim anderen wieder fehlt. Einer berichtet ein und dasselbe Ereignis so und der andere wieder etwas anders. Auch in der Reihenfolge der Ereignisse stimmen die Evangelien nicht überein. Außerdem sind sie auch unterschiedlich lang. Theologen, die sich mit den Evangelien beschäftigen, haben dafür natürlich plausible Erklärungen. Aber ihre Erklärungen dringen nicht bis zu den vielen theologisch nicht so gebildeten Leuten bzw. den „einfachen Gläubigen“  durch. So bleiben gerade diese mit ihren Fragen und auch Zweifeln auf der Strecke. Wir haben in der Kirche ein beträchtliches Defizit, theologische, biblische Fragen allgemeinverständlich zu beantworten. Viele Sonntagspredigten, die von immer weniger Menschen gehört werden, entziehen sich dieser Aufgabe und widmen sich mehr den Impulsen, die wir aus dieser und jener Bibelstelle für uns ableiten sollen. Die vier Evangelien als Anleitung zum rechten, christlichen Leben. Das können und sollen sie auch sein. Aber die vielen Fragen und Zweifel, was nun wirklich wahr ist, was man glauben darf und soll, dass es auch wirklich geschehen ist, bekommen selten eine verständliche Antwort. Wir haben da eine Art Zweiklassengesellschaft in der Kirche: da die Theologen bzw. theologisch Gebildeten und hier das christliche Fußvolk. Natürlich sind diese beiden nicht scharf voneinander zu trennen, die Grenzen zwischen ihnen mögen durchaus fließend sein wie ein Aquarell, aber doch kann man diese beiden Klassen ausmachen.

 Wenn wir jetzt in der Fastenzeit auf das größte Fest der Christen zugehen – nicht für alle ist  sie auch eine Zeit der Vorbereitung – ,dann steuern wir auch auf die eine und alles entscheidende Frage der Christen zu: Ist Jesus von Nazareth, der Gekreuzigte, auch wirklich auferstanden? Oder haben das seine Jünger nach seinem Tod nur geglaubt und behauptet? Die dritte Möglichkeit, dass sie das absichtlich wider besseres Wissen behauptet, also erfunden haben, scheidet für gesunden Menschenverstand aus, auch wenn es solche Unterstellungen auch gegeben hat und immer noch gibt, aber sie sind nicht wirklich ernst zu nehmen. Ist Christus wirklich auferstanden oder haben das seine Jünger nur geglaubt? Ist Auferstehung wirklich geschehen oder nur frommer Glaube seiner Jünger gewesen? Wirkliche Auferstehung oder bloßer Osterglaube? Das ist der ganz entscheidende oder – wie wir sagen – der „springende“ Punkt. Der Apostel Paulus behauptet zu Recht, wenn Jesus nicht auferstanden wäre, dann wären wir, die wir an seine Auferstehung glauben, Narren. Über die Frage nach der Auferstehung sind viele Bücher geschrieben worden. Nicht die Bücher sind da gemeint, deren Autoren sich der Kirche nicht verbunden wissen oder die ganz bewusst gegen sie schreiben wollen, sondern jene Bücher, die innerhalb der Kirche, von christlichen Theologen geschrieben worden sind. Aber aus den meisten dieser theologischen Bücher ist keine allgemeinverständliche Antwort abzuleiten, auf keinen Fall für jene, die keine Theologen oder theologisch nicht sonderlich gebildete und belesene Menschen sind. Dann gibt es noch jene Theologen und ihre Bücher, in denen die Auferstehung derart billig, naiv, frömmelnd, aufdringlich verteidigt wird, das sie erst recht Zweifel nähren. So verstehen sich diese Zeilen als Versuch, auf diese alles entscheidende Frage des christlichen Glaubens eine allgemein verständliche Antwort zu geben, indem sie  Fragestellungen zur und Einwände gegen die biblische Botschaft von der Auferstehung aufgreifen:

 „Wer wirklich gestorben ist und drei Tage lang tot im Grab liegt, der kann doch nicht einfach auferstehen, in das Leben zurückkehren und wieder lebendig sein.

Dieses Argument entspringt sozusagen gesundem Menschenverstand, der für solche „Mythen“ oder „frommen Phantasien“ keinen Platz hat. Wer ganz rational nur das für möglich hält, was mit den Gesetzen der Natur oder der Physik erklärbar, der kann wirklich nicht an Auferstehung glauben, deren Geheimnis sich der Physik entzieht und rein innerweltlich nicht zu erklären ist. Der kann aber auch nicht glauben, dass es über diese Welt und dieses Leben hinaus so etwas wie einen Gott gibt. Wer die Gesetze dieser Welt, die Naturgesetze, absolut setzt, der muss konsequenterweise auch die Existenz eines Gottes leugnen, der ja nicht ein Teil dieser Welt und ihrer Physik ist. Es kann nach einem ausschließlich rationalistischen Denken keinen überirdischen Gott geben. Und wo kein Gott ist, kann es auch kein Eingreifen Gottes, kein Hereinwirken Gottes in dieser Welt geben. Manche Theologen verwenden weniger das Wort „Auferstehung“, sondern „Auferweckung“ – durch Gott. Gott hat Jesus von Nazaret nicht im Tod belassen, sondern auferweckt. Natürlich lässt sich Auferstehung, Auferweckung nicht beweisen. Womit denn auch? Die Annahme, dass nur das real ist, was beweisbar ist, ist eine willkürliche Behauptung.

 „Zwischen dem Tod Jesu und der Niederschrift der Evangelien ist so viel Zeit vergangen, dass es unmöglich ist, dass die Evangelien eine verlässlich überlieferte Botschaft vermitteln bzw. Fakten beinhalten.

Die Möglichkeit, dass die Evangelien auf verlässlich überlieferten Fakten beruhen, wird auch von nicht wenigen Theologen unterschätzt. Die Evangelien enthalten viel mehr sorgfältig und verlässlich Überliefertes als viele glauben. Archäologische Ausgrabungen auch der letzten Jahrzehnte konnten bestätigen, dass zum Beispiel viele Ortsangaben und örtliche Beschreibungen in den Evangelien der Wirklichkeit entsprechen. Nach dem Tod Jesu sind nicht Jahrzehnte vergangen, in denen nichts von dem, was er gelehrt und getan hat, schriftlich festgehalten worden wäre. Diese schriftlichen Überlieferungen werden aus falschem Skeptizismus völlig unterschätzt. Die Evangelisten verfassen ihre Niederschrift nicht aus dem Nichts, aus verblassten fernen Erinnerungen, vagen Gerüchten oder bloßen Legenden. Ihnen stehen bereits schriftliche Quellen zur Verfügung. Zu behaupten, dass diese schriftlichen Quellen nicht der Wahrheit entsprechen können, ist Willkür.  Viele dieser Quellen gehen natürlich auf Augenzeugen zurück. Auch die Verfasser der Evangelien berufen sich auf sorgfältige Recherchen und Berichte von Augenzeugen. Die Augenzeugenqualität der Evangelien wird von überkritischen Theologen zu Unrecht verkannt, von anderen Theologen wieder bestätigt und wieder neu entdeckt.

 „Die Jünger Jesu konnten sich nicht mit dem Tod ihres Meisters abfinden. Deshalb haben sie sich seine Erscheinungen nur eingebildet. Ihr Wunsch wurde zum Vater des Gedanken.“

Die Erscheinungen des Auferstandenen sind der zentrale Punkt aller theologischen Diskussion. Es wäre denkbar, dass einer sich das einbildet, vielleicht auch ein zweiter oder dritter, aber dass alle sich das einbilden, gleichzeitig solchen Erscheinungshalluzinationen erliegen, ist nicht denkbar. Und dass solche Halluzinationen dann ein Leben lang eine Kraft besitzen, dass seine Jünger für den Glauben und die Verkündigung der Auferstehung Jesu in den Tod gehen, ist eine willkürliche Annahme. Nicht ein einziger von ihnen – die Geschichtsforschung hätte das längst schon aufgedeckt – hat diese Botschaft von der Auferstehung später widerrufen.

 „Aber beweisen lässt sich die Auferstehung nicht?“

Die Auferstehung bzw. die Auferweckung Jesu kann man natürlich nicht beweisen. Auch Gott selber kann durch kein Beweisverfahren „dingfest“ gemacht werden. Mit den Beweismöglichkeiten, die wir Menschen haben, können nur Dinge und Ereignisse dieser irdischen Welt bewiesen werden. Gott ist aber nicht Teil der irdischen Welt, zu der wir noch gehören. Aber es gibt viele gute Gründe dafür, dass es nicht gegen die Vernunft ist, an Gott zu glauben und daran, dass Gott Jesus, der Mensch geworden ist und den wir „Sohn Gottes“ nennen, auferweckt hat. Auch uns wird der Tod nicht ein endgültiges Ende setzen. Auch wir werden von Gott auferweckt werden zu ewigem Leben in seiner Vollendung. Natürlich kann das niemand beweisen. Wer nur das glaubt, was man mit den menschlichen Möglichkeiten beweisen kann, lässt nur mehr die enge Welt des Menschen gelten. Menschlicher Verstand kann Gott niemals erfassen und begreifen. Gott lässt sich in keiner physikalischen Formel festhalten, in keinem Foto festmachen, durch kein wissenschaftliches Verfahren nachweisen und doch glauben viele Menschen an Gott und „spüren“ in ihrem Leben wirklich seine Gegenwart.

 

© Josef Gredler