Josef Gredler

Im Loslassen die Nachtruhe finden

 

Wir würden am Ende des Tages gern zur Ruhe kommen, aber Gedanken und Bilder kleben förmlich an uns und lassen uns nicht los, so dass wir nicht zur Ruhe kommen, die uns einschlafen lässt. Je mehr wir den Schlaf herbeisehnen, umso weiter entfernt sich dieser von uns. Wir glauben, die Nachtruhe herbeiführen zu müssen, anstatt dass wir sie uns geben lassen, nachdem wir vorher alles Gott überlassen haben. Dazu kann es hilfreich sein, dass wir uns alles, was uns am Einschlafen hindert, bildhaft vorstellen und auf Gott hin loslassen, bis wir schließlich alles ihm überlassen haben und wir ganz frei und leicht geworden sind. Das ist kein Psychospiel, sondern hat seinen ganz realen Grund im lebendigen Gott, mit dem wir glaubend, hoffend in Beziehung treten und dem wir uns voll Vertrauen zuwenden können. Wenn wir vertrauen, dass er alle Last annimmt, dann finden wir in ihm die Ruhe, die wir in uns selbst nicht finden können:

 

Du mein Gott!

Wenn ich jetzt diesen Tag hinter mir lasse,

überlasse ich ihn dir.

Alles, was ich festzuhalten versucht habe und was mich festhält,

überlasse ich jetzt dir.

Alle Unruhe, die mich umklammert,

überlasse ich jetzt dir.

Alle verdunkelnden Schatten, die der kommende Tag voraus wirft,

überlasse ich jetzt dir.

Alle Misserfolge, die mich niederdrücken,

überlasse ich jetzt dir.

Alle Versäumnisse, die ich bedauere,

überlasse ich jetzt dir.

Alle Sorgen, die mich bedrängen,

überlasse ich jetzt dir.

Alle Schuld, die ich auf mich geladen habe,

überlasse ich jetzt dir.

Alle Zweifel, die an meiner Seele nagen,

überlasse ich jetzt dir.

Alle Erwartungen, die enttäuscht worden sind,

überlasse ich jetzt dir.

Alle Ängste, die mich gefangen halten,

überlasse ich jetzt dir.

Alle meine Gedanken, die an kein Ende kommen,

überlasse ich jetzt dir.

Alle Vorsätze, die ganz vergeblich waren,

überlasse ich jetzt dir.

Alle Wünsche, die nicht in Erfüllung gehen konnten,

überlasse ich jetzt dir.

Alle Bilder, die nicht von mir weichen wollen,

überlasse ich jetzt dir.

Alle Anliegen, die in Scherben zerbrochen sind,

überlasse ich jetzt dir.

Alle Enttäuschungen, die verletzt haben,

überlasse ich sie dir.

Alle Versprechungen, die ich nicht halten konnte,

überlasse ich jetzt dir.

Alle Träume, die unerfüllt geblieben sind,

überlasse ich jetzt dir.

Alles Vertrauen, das enttäuscht worden ist,

überlasse ich jetzt dir.

Alle Begegnungen, die missglückt sind,

überlasse ich jetzt dir.

Alles, was zu schwer ist, dass ich es durch die Nacht trage,

überlasse ich dir.

 

Wenn ich dann alles, was mich belastet, losgelassen habe und mich selbst ganz meinem Gott überlasse, dann kann ich gelassen in die Ruhe der Nacht eintreten, weil ich auch in der Nacht nie von ihm verlassen bin.