Josef Gredler

Adventus Domini beim Christkindlmarkt

 

Adventus Domini, Ankunft des Herrn!

Der Erste Adventsonntag ist noch gar nicht da,

da sind die Christkindlmärkte schon eröffnet

und auch schon voll von Menschen,

die sich (vor)weihnachtlich stimmen wollen,

nach der Arbeit mit den Kollegen

oder am Sonntag mit der Familie.

Ganze Busse voll kommen daher,

hungrig und durstig nach dem weihnachtlichen Flair,

das hier produziert und verkauft wird.

Da oder dort erscheint sogar das Christkind

als engelgleicher weiblicher Teenager

mit blonden Haaren und aufgesteckten Flügeln.

Das geht unter die Haut.

Wie schön, es weihnachtet schon.

Die Leute wollen Weihnachten,

und nicht erst am Heiligen Abend.

Für ein paar Stunden eintauchen in diesen weihnachtlichen Trubel,

abschalten und vergessen,

was drückt und nervt und stresst.

Aber…

müsste man diese Leute nicht aufklären

und ihnen sagen, worum es eigentlich geht,

im Advent und dann zu Weihnachten

und dass der Zauber auf diesem Markt

mit Weihnachten und Christkind nichts zu tun hat?

Diese Scharen von Unwissenden

brauchen dringend religiöse Aufklärung,

hätten eine erhellende Katechese bitter nötig.

Und waren bittere Katechesen nicht unsere Spezialität?

Irgendjemand muss denen doch sagen,

dass von Advent hier keine Spur ist

und für Weihnachten ist es noch zu früh.

Aber…

wären diese Christkindlmärkte nicht eine Chance

für die Botschaft dieser vorweihnachtlichen Wochen,

die zur Umkehr und Vorbereitung einladen,

und für das Mysterium der Heiligen Nacht?

Aber umkehren, wohin denn und warum?

Und Vorbereitung, worauf denn und wie?

Sollte die Kirche auf einem solchen Markt nicht da sein?

Natürlich nicht mit einer bitteren Katechese

oder aufklärenden, belehrenden Worten.

Da fallen mir wieder die Worte von Papst Franziskus ein,

der die Kirche aufruft,

„neue Wege“ zu gehen und „kreative Methoden“ zu wählen,

Vielleicht könnte EIN solcher Weg

durch den Christkindlmarkt führen.

Die Kirche müsse auf die Straßen hinausgehen, zu den Menschen,

statt sich zu verschließen und an Sicherheiten zu klammern.

Sie sollte zur „ursprünglichen Frische der Frohen Botschaft“ zurückkehren

und Jesus von „langweiligen Schablonen“ befreien,

die Kirche müsse glaubwürdig eine „arme Kirche“

für die „Armen“ dieser Welt sein.

Eine Kirche, selber glaubhaft und bezeugend arm,

würde beim Christkindlmarkt nicht vergeblich um Hilfe für jene bitten,

die sich keinen Punsch oder Glühwein leisten können.

Ihre ursprüngliche Frische,

verbunden mit kreativen Methoden

könnte den Christkindlmarkt beleben.

Statt verächtlich die Dekadenz der Vermarktung

des christlichen Weihnachtsfestes anzuprangern,

selber ernsthaft Vorbereitung, Umkehr, Buße,

Erneuerung, Vertiefung… wagen.

Müsste man uns den Advent und

das nahende Weihnachtsfest nicht anmerken,

ein klein wenig zumindest?

Könnte es sein, dass wir zu viel Worte machen

und lieber und leichter reden

als Erwartung und Hoffnung selber erleben

und andere spüren lassen?

Papst Franziskus auf dem Christkindlmarkt?

Zuzutrauen wäre es ihm.

Was würde er dort tun?

Vermutlich keine Predigt halten,

sich aber vielleicht an einen der Tische stellen

zu den Leuten, die gerade einen Glühwein trinken,

und ihnen spürbar nahe sein,

ihnen zuhören, mit ihnen reden

und sie spüren lassen,

dass Jesus, das Christkind, auch für sie gekommen ist.

 

© Josef Gredler