Josef Gredler

Eucharistiefeier und Leben verbinden

 

Die lebendige Mit-Feier der Eucharistie ist nicht an große theologische Gelehrsamkeit gebunden, sondern kann auch ohne diese als Geheimnis des Glaubens, als Mitte des Lebens erfahren werden. Sein Heil stiftendes Geheimnis ist nicht an theologische Examina geknüpft. Die folgenden Gedanken verstehen sich in diesem Sinne auch nicht als anspruchsvolle theologische Entfaltung der Eucharistie, sondern sollen einfache Gedanken sein, die das Leben und die Feier der Eucharistie verbinden. Als solche möchten sie Anregung sein, mein tägliches Leben mit allen Facetten in der Feier der Eucharistie festzumachen, Eucharistie zur Mitte des Lebens zu machen. Das Leben in die Feier der Eucharistie mitbringen und die Eucharistie in mein Leben mitnehmen. Eucharistie und Leben berühren einander, haben untrennbar miteinander zu tun.

Einfache Gedanken vor der Messfeier bzw. auf dem Weg dorthin:

Ich nehme all meine Dunkelheit, Schwachheit und Angst, alle meine Sorgen und meine Unruhe mit in die Feier der Eucharistie und lege sie zu meiner Entlastung zu den Gaben auf den Altar und bitte Jesus, dass er sie annimmt, mir abnimmt und mit den Gaben von Brot und Wein in Licht, Hoffnung, Frieden und Zuversicht verwandelt. Im Vertrauen darauf, dass er das tut, darf ich  jetzt alle drückenden Gedanken loslassen, weil ich sie dem überlasse, der mir Weg, Wahrheit und Leben sein will.

Es ist hilfreich, sich das bildhaft vorzustellen: Zum Beispiel alles in einen großen Rucksack packen, den ich mitnehme und mit allem, was drin ist, auf den Altar lege. Oder alles in den Kofferraum meines Autos laden und dann in der Kirche vor dem Altar ausladen. Ich spüre die Erleichterung. Ich kann beim Einpacken die Sorgen auch benennen, aussprechen.

Wenn es sich einrichten lässt, ist es gut, wenn ich vor der Messe noch ein paar Minuten Zeit habe, mir dessen bewusst zu werden. Das geht nämlich nicht von einer Sekunde auf die andere. Jesus wandelt Brot und Wein in seine Gegenwart, er soll auch meine drückende Last verwandeln, er soll mich selber in seine Verwandlung  nehmen, damit ich neu werde aus ihm.

Das ist kein Psychotrick, keine Selbsthypnose, sondern ist möglich und legitim im Vertrauen auf sein Wort in Mt 11,25-30: „Kommet alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ Viele Menschen haben vor mir schon diese Erfahrung gemacht. Diese Einladung gilt auch mir. Für eine halbe oder ganze Stunde darf ich alle drückenden Lasten ablegen und in dieser Freiheit und Leichtigkeit Eucharistie feiern.

Einfache Gedanken nach der Kommunion, auf dem Weg nach…:

Nachdem Jesus in der Kommunion mir ganz nahe geworden ist, darf ich seine heilende Nähe spüren.  Nach dieser Messe gehe ich in seinem Frieden weg und ich gehe nicht allein weg, nach Hause oder in die Arbeit. Ich nehme Jesus, den ich als Brot des Lebens empfangen habe, mit in den Tag, mit nach Hause, mit zu den Meinen, damit er segnend, liebend und heilend bei uns ist und jeden von uns durch den heutigen Tag führt und begleitet. Und er geht tatsächlich mit. Auch das tut gut, sich bildhaft vorzustellen, mit meinem inneren Auge zu schauen, zu betrachten. Im Laufe des Tages kehre ich immer wieder zu diesem Bild wie zu einer Tankstelle für die Seele zurück, erinnere mich, dass ich ihn mitgenommen habe in diesen Tag, zu mir nach Hause, zu meinem Arbeitsplatz und dass er wirklich bei mir ist.

 

© Josef Gredler