Josef Gredler

 

Lieber Heiliger Josef!

 

   Meine Eltern haben mich auf deinen Namen getauft. Immer wenn ich gefragt worden bin, wie ich heiße, habe ich meinen und deinen Namen genannt. Ich bin in meinen Anliegen oft zu dir gekommen, ich habe dir meine Sorgen anvertraut, aber einen Brief habe ich noch nie an dich geschrieben. Weil der „Tiroler Sonntag“ die Zustellung übernommen hat, bekommst du von mir zu unserem beider Namenstag diesen Brief.

    Es ist noch nicht so lange her, am Vorabend von Maria Lichtmess, als ich die Weihnachts-krippe in unserem Wohnzimmer nach altem Brauch wieder abgebaut und an einem sicheren Platz bis zum nächsten Aufstellen verwahrt habe, da habe ich dich sogar in den Händen ge-habt, geschnitzt aus Holz. Jedes Jahr, wenn ich dir wieder deinen Platz in der Krippe zuweise, und beim Abräumen dich behutsam wieder in die Holzkiste zurücklege, werde ich nach-denklich. Wer bist du, „aus welchem Holz bist du geschnitzt“?

   Wenn man in der Bibel etwas über dich erfahren will, ist dort nicht gerade viel von dir zu lesen, aber das Wenige, das da steht, macht dich ganz groß. Du hast zwar kaum etwas gesagt, zumindest wird kein von dir gesprochenes Wort überliefert. Du warst offensichtlich kein Mann der Worte, sondern des stillen Tuns, das ganz aus dem Hinhören auf Gottes Engel kommt. Und Gott hat dir ganz schön viel zugemutet, durch seinen Engel sozusagen ausrichten lassen: Das Kind deiner schwangeren Verlobten hat keinen menschlichen Erzeuger, sondern ist vom Heiligen Geist. Und in diesem Vertrauen sollst du Maria zu dir nehmen, die du doch gerade deswegen verlassen wolltest.  In deiner Liebe bist du diesem Jesus, der ja nicht dein Kind war, mit ganzem Herzen Vater geworden. Auch die Heilige Schrift nennt dich so. „Nährvater“ ist eine Bezeichnung, die Menschen dir angetan haben. Das Evangelium nennt dich Vater.

   Immer „wenn es brennt“, schickt Gott dir im Traum seinen Engel, um dir zu sagen, was du tun sollst. Und als du aufgewacht bist, hast du das einfach getan - ohne Fragen, Bedenken, Zweifel und Klagen, wie selbstverständlich ganz auf Gottes Weisung vertrauend. Du warst ein Träumer, auf den ganz Verlass war, ein ganz außergewöhnlicher, vertrauender, glaubender, liebender Träumer.  Und als nach den beschwerlichen Ereignissen in Betlehem alles ein gutes Ende nehmen hätte können, du und Maria mit Jesus eine Familie hättet sein können wie die anderen auch, da kommt wieder im Traum ein Engel und sagt, dass du alles zusammenpacken und mit Maria und Jesus nach Ägypten fliehen sollst. Und wieder tust du es ohne Widerrede, voll Vertrauen und ohne nach einer Erklärung zu fragen. Von einem Engel lässt du dir dann im Traum auch sagen, wann du wieder zurückkommen kannst und wo du dich mit deiner Familie niederlassen sollst. 

    Du hast alles so angenommen, hast immer so gehandelt, wie der Engel des Herrn gesagt hatte. Gottes Wille war dir heilig. Du bist, ohne viel zu reden, zu einem großen Diener des Heils geworden. Du hast dir Gottes Willen sozusagen erträumt. „Träume sind Schäume“ sagen wir so leicht. „Den Seinen gibt es der Herr im Schlafe“ könnte man von dir sagen. Wer sich so wie du ganz auf Gott einlässt, dem werden Träume zu Einstiegsluken für Gottes Willen in unser Leben. Lieber Heiliger Josef, am Ende dieser Zeilen packt mich jetzt doch ein wenig der Schrecken. Ich heiße zwar so wie du, aber… Hat Gott schon einmal vergeblich seinen Engel zu mir geschickt?

 

Um deine Fürsprache, dass ich Gottes Engel nicht überhöre, bittet dich

Josef Gredler