Josef Gredler

015  Advent mit menschlichen Hindernissen

 

Ich würde so gern bei dir ankommen,

aber ist deine Tür offen genug für mich?

Ist dein Herz weit genug für mich?

Ist deine Sehnsucht nach mir groß genug?

Ich kann nur dort ankommen,

wo man mich erwartet.

Bist du still genug?

Denn ich hämmere nicht an deine Tür,

ich klopfe ganz leise,

du könntest mich leicht überhören.

Hast du Platz genug für mich

oder ist dein Herz schon voll mit tausend Wünschen,

aber keiner verlangt nach mir?

Hast du überhaupt Zeit für mich,

zumindest ab und zu eine leere Zeile in deinem Terminkalender,

eine leere Zeile für mich und dich?

Ich will mich nicht hineinschwindeln

zwischen deine vielen Termine und Wunschzettel.

Traust du mir überhaupt zu,

dass ich in deinem Leben eine Rolle spielen möchte,

die dein Leben verwandelt?

Ich bräuchte dazu die Hauptrolle,

nicht meinetwegen, sondern um deinetwillen,

denn in einer Nebenrolle oder als Statist

habe ich keine verwandelnde Kraft.

Ich möchte deine Mitte werden,

dort sein, wo alle deine Hoffnungen und Ängste,

all deine Sehnsüchte und Sorgen zusammenlaufen,

wie die Speichen eines Rades.

Willst du mich zum Mittelpunkt deines Lebens machen?

Bist du bereit, mich zu suchen,

so beharrlich, geduldig und ausdauernd,

wie es damals diese weisen Sterndeuter getan haben?

Wenn es dir hilft, ich würde wieder einen Stern

am Himmel aufgehen lassen, ganz für dich.

Aber würdest du meinem Stern auch trauen?

Würdest du ihn unter den vielen Irrlichtern,

die den Himmel dieser Zeit verwirren,

überhaupt erkennen?

Ich würde so gern bei dir ankommen.

Ich habe alles dafür gegeben,

ich würde es wieder tun.

 

© Josef Gredler