Josef Gredler

014  Advent – auch für kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

 

  Diese Frage ist nicht bloß rhetorisch, sondern ganz ernst gemeint. Sie ist auch nicht als Methode der kleinen Provokation gemeint, die uns nach ersten selbstkritischen Zweifeln oder einer anfanghaften Beunruhigung doch wieder in die Gewissheit führt, dass wir es zwar mit unserem Zeitbudget in diesen Tagen des Advent nicht immer ganz leicht haben, aber dass bei uns „Handwerk nicht Not leidet“, auch wenn das manchmal von außen so ausschaut. Natürlich ist unser Dienst nicht einfach als Handwerk zu bezeichnen. Aber wir wissen doch, was mit diesem Sprichwort gemeint ist.

  Stellen wir uns wirklich in diese adventliche Strömung, die seit dem ersten Adventsonntag von den Lesungen in der Liturgie ausgeht? Nehmen wir uns die Zeit, finden wir die innere Ruhe, um die Schwingungen unserer Seele auf Umkehr und Erwartung einzustimmen? Wenn dieser Jesus ganz ernsthaft daran denkt, auch bei mir ankommen zu wollen und deshalb an mein Seelenfenster klopft - trifft er mich überhaupt an, bin ich bei mir zu Hause? Oder bin ich „auswärts“ beschäftigt und es hat sich noch nicht bis zu ihm durchgesprochen, dass es bei mir immer später wird – in diesen Tagen des Advent.

 Schließlich haben wir in diesen vorweihnachtlichen Wochen und Tagen so etwas wie Hochkonjunktur. Und man muss die Gunst der Stunde nützen. Und das große Durchatmen müssen wir auf die Zeit nach dem großen Fest seiner Ankunft in dieser Welt verschieben. Dieses Fest fordert von uns allen eben seinen Tribut. Und Funktionäre im Dienste des Advent sollten sich bewusst sein, dass für sie das nicht so wörtlich gemeint sein kann mit der Stille, der Einkehr, der Umkehr, der Vorbereitung… Schließlich sind wir ja voll und ganz mit SEINER Ankunft beschäftigt, so sehr, dass wir gar nicht ernsthaft daran denken, ER könnte auch bei uns ankommen wollen. Es wäre doch wirklich fast zynisch, wenn ER das wollte, ausgerechnet jetzt, wenn wir für uns für IHN zerreißen. Weiß er denn nicht, was wir alles zu tun haben, haben, damit er kommen kann? Mitarbeiter/innen im kirchlichen Dienst befinden sich jetzt sozusagen auf der „Rennstrecke“ und wollen oder sollen nicht eingebremst, oder gar an die Boxen geholt werden.

Advent – gilt das auch für uns, die wir im Dienst der Kirche stehen?

 

© Josef Gredler