Josef Gredler

009  (Erst) in der Ewigkeit weichen alle Schatten

 

Es gibt in dieser Welt, in der wir leben, das Licht und die Finsternis. Auch wenn wir uns das noch so sehr wünschen, diese unsere Welt erstrahlt nicht nur im Licht, sie zeigt sich jeden Tag auch in ihrer Finsternis, umgibt uns jeden Tag mit ihren Verschattungen und hüllt uns in ihre Dunkelheiten. Das Licht kann nicht widerstandslos aufstrahlen, kann sich nicht ungehindert ausbreiten und alles überstrahlen. Aber seit Gott selber sich hineingebären hat lassen in die Finsternis, sind ihre Tage gezählt. Mit diesem göttlichen Kind ist ein Licht in die Dunkelheit dieser Welt gekommen, mit einem Kind hat der unaufhaltsame Siegeszug des Lichtes begonnen. Alle Siege der Finsternis sind von diesem Kind zur Vorläufigkeit verurteilt. Die Morgendämmerung der Weltgeschichte ist nicht mehr umkehrbar. Was wie ein schwaches Licht  begonnen hat, wird einmal alles verwandeln und überstrahlen. Auch wenn wir die Dunkelheiten täglich erfahren, so stehen wir durch dieses Kind in der Verheißung, dass einmal alle Finsternis in Licht gewandelt ist. Bis dahin mag uns die Finsternis bedrohen und mit ihren Fallen auflauern, indem sie vorgibt, selber das Licht zu sein oder das einzig Wahre, die Wahrheit selber zu sein, während das Licht nur ein verführerisches Trugbild, eine blendende Illusion sei. Sie werde alles einnehmen, unterwerfen und beherrschen. In ihrem Sog werde einmal alles Licht erstickt und erloschen sein. Aber dieses Kind sagt dann später von sich selber, das Licht für die Welt zu sein und ruft uns auf, Licht und Finsternis zu unterscheiden, dem Licht mehr zu trauen als der Finsternis. Dieses Kind, Gott von Gott, Licht vom Licht, geht einmal, um der ganzen Schöpfung Licht zu werden, selber hinein in die Finsternis des Karfreitags, in die Dunkelheit des Grabes. Aber von diesem Kind wissen wir auch, dass Golgotha und Grab nicht das Ende waren, dass der Ostermorgen alles ins Licht der Auferstehung gewandelt hat. In diesem Vertrauen sollen wir uns von seinem Wort wie von einem Lichtstrahl treffen lassen und es weitergeben, in die finsteren Winkel unserer Lebenswelt tragen. Er, das Licht der Welt, hat uns versprochen, heiligend und verwandelnd bei uns zu sein alle Tage, bis kein Leid mehr seine Schatten werfen kann, bis alle Dunkelheit besiegt, alle Finsternis vertrieben ist und die ganze Schöpfung im ewigen Licht vollendet erstrahlt.

 

© Josef Gredler