Josef Gredler

008  Lasst die Toten ruhen?

 

So oder ähnlich kann man es manchmal hören

in dieser aufgeklärten und so fortschrittlichen Zeit,

die ihren Blick nüchtern und berechnend auf das Hier und Jetzt

und in die sogenannte Zukunft richtet.

Warum denn wertvolle Zeit und notwendige Energien

für nutzloses Erinnern und vergebliches Gedenken vergeuden?

Sollte man diese nicht besser für die Bewältigung der Gegenwart

oder die Planung der Zukunft einsetzen?

Scheinbar kluge Fragen.

Sind sie es wirklich?

Verbirgt sich hinter solchen Fragen nicht eine große Angst und Hilflosigkeit?

Angst vor der Gewissheit des eigenen Sterbens,

die ebenso untrüglich ist wie die nüchternen Fakten unseres täglichen Lebens?

Hilflosigkeit gegenüber diesen großen Fragen,

die sich an der Grenze dieses Lebens zwangsläufig stellen?

Wer am Grab eines lieben Verstorbenen steht, der spürt,

dass alle Tabellen, mit denen wir die Vergangenheit beschreiben,

und alle Kalkulationen, die Erfolg und Zukunft berechnen wollen,

einfach verstummen auf die Fragen nach dem Eigentlichen, Letzten und Endgültigen.

Sind jene, die in diesen Tagen auf den Friedhof gehen,

am Grab eine Kerze anzünden, dort verweilen, sich erinnern, trauern, beten...

einfach unbelehrbare Träumer, dummheitstrunkene, religiöse Schwärmer?

Oder „wissen“ sie es womöglich doch besser?

Wenn sie spüren

„unser Ende ist nicht das Grab,

sondern die Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott.“

Und wenn sie dann beten

„Herr, gib ihnen die ewige Freude!

Und das ewige Licht leuchte ihnen!“

Wenn sie einfach glauben

„Wir werden uns wiedersehen.

Wir werden wieder alle beisammen sein.

Das wird ein Fest sein.

Ewiges Glück, glückliche Ewigkeit.

Wir miteinander und Gott mit uns,

 unendlich und unvergänglich.“

Wenn sie es ernst meinen mit den Worten

„Dein Reich komme,

dein Wille geschehe - auch durch mich - wie im Himmel so auf Erden!“

 

© Josef Gredler