Josef Gredler

004 Wir können keine irdischen Reichtümer mitnehmen

 

Da gibt es Sätze im Evanglium, die zwicken ganz einfach, da bleibt man zwangsläufig mit seinen Gedanken hängen wie an einer Wurzel auf unserem Weg, wenn die Füße nicht recht darüber wollen: Wer Schätze, Besitz und Vermögen sammelt und dabei vergisst, dass er von all dem nichts mitnehmen kann, der ist ein Narr. So steht es bei Lk 12, 13-21.

Dieser Satz ist schon mehr als eine Nadelspitze. Er trifft den Nerv. Ein altes Sprichtwort zielt in dieselbe Richtung: „Ein Totenhemd hat keine Taschen.“ Wir sollten also ja nicht glauben, wir könnten einmal etwas mitnehmen von unserem Besitz. Dieser Satz im Lukasevangelium will nicht einfach die Leute erschrecken, sondern er will uns davor bewahren, dass wir uns in unserer großen Lebensrechnung verplanen, verkalkulieren.

Vor einigen Jahren wurde im Fernsehen ein Film gezeigt: „Lockruf des Goldes“. Ein Vierteiler voll Spannung, Aktion und mörderischem Existenzkampf.  Schauplatz ist eine kleine Goldgräberstadt in Alaska. Getrieben vom Gedanken „hier gibt es Gold“ sind viele Menschen in diese Stadt geströmt. Sie wollen hier ihr Glück finden, ihr Glück machen. In einer Szene passiert folgendes: Es ist Sonntag. Die Männer sitzen gerade in der Bar. Da wankt ein heruntergekommener Mann bei der Tür herein, fast verhungert, kann nicht mehr reden und nur noch mit dem Finger in die Richtung zeigen, aus der er gekommen ist. Dabei bricht er tot zusammen. Als man seine Taschen öffnet, findet man darin fünf kleine Goldklumpen. Nun passiert es: Der Fingerzeig dieses Menschen macht alle verrückt. Schnell raffen sie ihre paar Habseligkeiten zusammen und machen sich noch in der Nacht auf den Weg, in die Richtung, in die der alte Mann gezeig hat, wo sie das Gold vermuten.

Jesus macht Geld, Besitz und Reichtum immer wieder zum Thema. In 13 von seinen Gleich-nissen redet er von Geld und Besitz, aber es geht letztlich gar nicht um Geld, sondern um den Menschen. Der Mensch steht auf Spiel. Offensichtlich können Geld und Reichtum uns ge-fährlich werden, und Jesus weiß, wie Geld und Besitz dem Menschen den Kopf verdrehen oder sein Herz verschließen können. Auch das Sprichwort „Geld verdirbt den Charakter“ weiß um diese Gefahr.

Jesus fordert nicht einen Besitzverzicht und hat Besitz auch nie als etwas Verwerfliches an-gesehen. Er fordert aber im Verhältnis zu Besitz und Geld eine eine einschneidende Korrek-tur. Jesus hat nie das Geld als solches angeprangert. Geld ist weder gut noch böse. Es kommt darauf an, wie man damit umgeht, was man daraus macht. Wenn das Geld nicht nur das Spar-schwein füllt oder den Safe, sondern auch den Kopf des Menschen ganz ausfüllt, sodass er nur noch das „Geld im Kopf hat“, wenn das Geld auch noch sein Herz und seine Seele ganz in Besitz nimmt, dann wird es gefährlich. Jesus hat um diese verführerische Macht von Geld und Reichtum gewusst und wie leicht sich der Mensch darin verstricken kann, sodass er den eigentlich erfüllenden Sinn seines Lebens verfehlt.

Deshalb hat er einmal gesagt: „Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel.“ Wobei man der Wahrheit halber schon hinzufügen muss, dass mit dem Nadel-öhr nicht die Nähnadel gemeint war, sondern das Tor einer damaligen Stadtmauer, das die Form eines Nadelöhrs hatte. Da musste ein Kamel sich schon ganz ordentlich bücken und in die Knie gehen, um durchzukommen.

Ein andermal hat er gasagt: „Ihr könnt nicht zwei Herren dienen, Gott und dem Mammon.“ Wer den ersten Platz in seinem Leben für irdische Güter reserviert hat, der hat dort keinen Platz mehr für die großen Verheißungen Gottes und für die Schätze, von denen im 12. Kapitel des Lukasevangeliums die Rede ist.

Und wenn Jesus sagt „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, in sei-ner Seele aber Schaden leidet“, dann heißt das, dass der entscheidende Reichtum eines Men-schen sich nicht in weltlichen Währungseinheiten ausdrücken lässt, nicht in Euro oder Dollar. Trotz der Faszination, die vom Geld ausgehen kann und Menschen völlig in Beschlag nimmt. Geld kann leicht zum skrupellosen Egoismus verleiten und die Armen vergessen lassen, für die Jesus so entschieden eingetreten ist mit seinem ganzen Leben.

Wir kennen noch das Wort von ihm: „Kümmert euch zuerst um das Reich Gottes!“ Er will uns Mut machen, die Prioritäten unseres Lebens nicht auf das Vergängliche zu setzen. Kohelet, der Prophet aus dem AT nennt solchen Besitz wegen seiner Vergänglichkeit Wind-hauch, bloßen Windhauch.

Jesus will, dass wir im Leben mehr suchen und erfahren als die Erfüllung unserer mensch-lichen Pläne. Dass wir uns in unserer Lebensrechnung nicht verspekulieren und unser ganzes Sorgen und Trachten nicht bloß auf das richten, was letztlich eben doch nur vergänglich ist und das wir einmal doch nicht mitnehmen können.Er möchte, dass wir ganz auf ihn und seine Verheißung setzen, dass wir solche Schätze sammeln, die unvergänglich sind, und die wir in unserem Herzen einmal mitnehmen können.

Es geht bei dieser Stelle im Lukasevangelium um die entscheidenden Fragen des Lebens: Wo-für lebe ich? Worauf kommt es mir letztlich an? Was steht in meinem Leben an der ersten Stelle? Was hat in meinem Leben Priorität? Gott möchte, dass wir auf ihn setzen, weil nur er uns das geben kann, was bleibenden, für alle Ewigkeit bleibenden Wert hat. Auch unser Totenhemd wird einmal ohne Taschen sein. 

 

© Josef Gredler