Josef Gredler

Krippe und Kreuz

 

Krippe und Kreuz,

Stall und Golgota,

Anfang und Ziel,

Ankunft und Abschied,

Geburt und Tod.

Was in der Krippe begonnen hat,

ist am Kreuz vollendet worden.

In Jesus kommen Krippe und Kreuz ganz zusammen.

Hilflos wie ein Kind ist er gekommen,

ohnmächtig stirbt er am Kreuz, alles vollbracht.

Die Hirten und Weisen schauen hinab zum Kind in der Krippe.

Mächtige, Neugierige, Mitleidende schauen hinauf zum Mann am Kreuz.

Zwei gekreuzte Balken tragen die Krippe, das Kind,

zwei gekreuzte Balken halten ihn auf Golgota fest.

Ecce lignum praesaepis!

Ecce lignum crucis!

Im Stall von Bethlehem unter dem Stern

ist auch das Dunkel von Golgota anwesend.

Die erwärmenden Lieder der Weihnacht gehen über

in den dunkelnden Ton der Passionslieder.

Das Christkind wird zum Gekreuzigten.

Dieses Kind, hilflos in der Krippe,

wird einmal die Schwachheit menschlicher Macht offenbaren,

die Macht entmachten und die Mächtigen vom Thron stürzen.

In diesem Kind in der Krippe schauen wir

die Unfassbarkeit von Golgota.

Hilflos in der Krippe,

ohnmächtig am Kreuz,

wird er zum Erlöser,

zum Heil der Welt.

Als Kind dem Schwert des Herodes entkommen,

entzieht er sich nicht dem Tod am Kreuz durch Pilatus.

Als Kind keinen Platz in der Herberge gefunden,

als Wanderprediger keinen Platz,

wohin er sein Haupt hätte legen können.

Das kleine Kind in der Krippe

hat die Pläne des großen Herodes durchkreuzt.

Der ohnmächtige Mann am Kreuz

hat die Pläne der Mächtigen durchkreuzt.

Jesus von Nazaret, hilflos in der Krippe,

Jesus von Nazaret, ohnmächtig am Kreuz,

wird er zum Erlöser,

zum Heil der Welt.

Zwei Holzbalken, zum Schandpfahl verbunden,

werden zum großen Zeichen für Rettung und Heil.

 

© Josef Gredler