Josef Gredler

Liebes Jesuskind, warum?

 

Liebes Jesuskind!

Warum bist du in einem Stall auf die Welt gekommen

und nicht in einem Schloss oder Palast?

Warum in einer Futterkrippe

und nicht in einer schönen Wiege?

Warum auf Stroh gebettet

und nicht auf einer weichen Unterlage?

Warum in Bethlehem,

der geringsten unten den Städten Judas?

Warum bist du so armselig in diese Welt gekommen?

Warum ein noch unverheiratetes Mädchen aus Nazaret als Mutter

und nicht eine verheiratete Frau aus gehobenem Stand?

Warum den träumenden Josef als väterlichen Beschützer,

der nicht verstand, wie ihm geschah?

Warum Ochs und Esel in deiner Nähe

und nicht eine stattliche Leibgarde?

Warum hast du deinen Engel zu den Hirten geschickt,

den letzten in der sozialen Rangordnung?

Warum durften dieses Hirtengesindel die ersten sein,

die du empfangen hast?

Warum bist du so erbärmlich Mensch geworden,

gegen jeden gesunden Menschenverstand?

Warum hast du einen Stern zum Wegweiser bestimmt,

den nur ein paar Weise haben deuten können?

Warum hast du dem König einen solchen Schrecken eingejagt,

dass er dich töten wollte?

Warum hast du dir eine so unruhige Zeit ausgesucht,

dass du noch als Kind hast fliehen müssen?

Warum hast du deine Herkunft nicht deutlicher gemacht,

so dass es alle hätten verstehen können?

Warum hast du deine Gottheit so verborgen,

dass sie dich nicht erkannt haben?

Warum hast du dich so für die Ohnmacht entschieden,

wo dir doch göttliche Allmacht zur Verfügung gestanden wäre?

Warum hast du alles auf den Kopf gestellt

und oben und unten völlig vertauscht?

Warum hast du Maria und Josef das zugemutet?

Warum hast du dir das alles angetan?

Warum hast du es uns so schwer gemacht zu glauben,

dass in dir Gott Mensch geworden ist?

 

© Josef Gredler