Warum sich adventlich auf Weihnachten einstimmen?

 

     Weihnachten war für mich, soweit ich zurückdenken kann, ein Fest, das mich mehr als alle anderen Feste im Laufe des Jahres inwendig bewegt hat, wo der emotionale Zeiger am weitesten nach oben ausgeschlagen hat, mich im positiven Sinn in Aufregung versetzt hat. Kein anderes Fest ist mir als Kind so unter die Haut gegangen. Weihnachten war der absolute Höhepunkt im Jahr. So wurden auch die Wochen vor Weihnachten (der Advent) eine besondere Zeit, besonders stimmungsvoll, voll Erwartung. Auch wenn Weihnachten im Kirchenjahr nicht die erste Stelle einnimmt, was die Rangordnung der Feste betrifft, die emotionale Dimension setzt Weihnachten an die erste Stelle aller Feste.

     Aber auch als Erwachsener, als Vater und jetzt als Großvater ist Weihnachten das emotionalste Fest des ganzen Jahres geblieben. Kein anderes Fest kann man derart mit den Sinnen wahrnehmen, hören sehen, riechen, schmecken, spüren… Kein anderes Fest verlangt so sehr danach zusammenzukommen. Weihnachten kann man nicht allein feiern. Kein anderes Fest führt Menschen mehr zusammen.

     Die Reichweite von Weihnachten geht weltweit über die Grenzen von Glaube, Kirche und Religion hinaus. Weihnachten ist ein globales Fest wie kein anderes. Natürlich ist Weihnachten auch profanisiert, trivialisiert, vermarktet worden, das mag alles sein. Aber nichts und niemand hat es geschafft, Weihnachten seine emotionale Bedeutung, sein globale Reichweite zu nehmen. Der Mensch ist zutiefst ein Wesen, das sein Leben in Fest und Feier verdichten, überhöhen, deuten will.

     Dabei wird Weihnachten ganz unterschiedlich gefeiert. Manche feiern Weihnachten mit großer religiöser Tiefe, andere wieder ganz trivial. Aber ein Fest wie Weihnachten vermag auch die großen Fragen des Menschen wieder spürbar, fühlbar zu machen: Was ist der Mensch? Was ist das Leben? Woher kommt alles? Wohin führt alles? Wohin führt dieses Leben, diese Welt?

     Das wird wohl auch der Grund sein, dass Menschen zu Weihnachten doch vermehrt versuchen oder das Bedürfnis haben, in sich zu gehen, aus der alltäglichen Oberflächlichkeit in die Tiefe zu gehen, aus der Belanglosigkeit in die verbindliche Sinnerfahrung. Man spürt, dass man sich auch inwendig öffnen, aufmachen muss, im weitesten Sinn, dass man sich vorbereiten muss auf ein so großes Fest wie Weihnachten. Sich herrichten, zurechtmachen, einstimmen. Vorbereitungen werden getroffen. Man will ein schönes Fest, für ein paar Stunden zumindest das Leben überhöhen. Bei manchen beschränken sich dies Vorbereitungen auf die weihnachtliche Beleuchtung der Hausfassade, auf den aufwendig geschmückten Christbaum, auf die festlich gedeckte Tafel. Aber andere meinen mit Vorbereitung und Einstimmung sich selber, ihr eigenes Inwendiges, möchten in dessen Tiefe gehen, sich der Botschaft, dem Geheimnis der Weihnacht öffnen… und suchen dafür Anregungen, Impulse.

     Wer die Wochen des Advent und das Fest der Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazaret bewusst erleben und leben will und dazu gern „ein paar“ Anregungen hätte, geistige und geistliche Impulse sucht, um selber in eine adventlich-weihnachtliche Spur zu kommen, dem möchten die Seiten dieses digitalen Büchleins anregende Ein-Stimmungen sein – leicht lesbar, nicht zu umfangreich, mit Bodenhaftung, aber doch nicht billig. Immer wieder ein wenig Zeit zu finden, in seinen Texten für ein paar Minuten zu versinken und damit inwendig sich in eine adventliche Strömung zu stellen, um dann zu Weihnachten adventlicher anzukommen und so das Fest der Menschwerdung Gottes tiefer und mit größerer Freude zu erleben. Das ist die Absicht der Gedanken, die über diese digitalen Seiten verteilt sind, die sich immer näher an Weihnachten heranzutasten versuchen. Ich möchte Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, gute Tage und Wochen wünschen, in denen Sie adventlich eingestimmt und erfasst werden, um sich dann wirklich weihnachtlich freuen zu können, weil der Mensch gewordene Gott auch bei Ihnen angekommen, in Ihnen Mensch geworden ist, auch wenn es unser Begreifen völlig übersteigt.

      So wünsche ich Ihnen, dass die Tage des Advent Sie am Fest der Menschwerdung Jesu weihnachtlich ankommen lassen.

Herzlich Josef Gredler