Josef Gredler

Wer ist schuld an der niedrigen Impfquote?

 

Dass eine hohe Impfquote die einzige Möglichkeit ist, die Covid-19-Pandemie zu besiegen, ist unbestrittene Experteneinschätzung. Länder und Regionen mit hoher bzw. niedriger Durchimpfungsrate liefern den Beweis. Fast 40 % der Österreicher/-innen haben sich bisher trotz aller Bemühungen nicht impfen lassen. Wem ist dafür die Schuld zu geben? Laut Pamela Rendi Wagner, die nach dem notwendigen Rücktritt von Sebastian Kurz als Bundeskanzler gerne Bundeskanzlerin geworden wäre – mit Hilfe von Herbert Kickl –, liegt der Grund dafür im „fehlenden Vertrauen in die türkis-grüne Regierung“. Ob es eine verirrte Phantasie ist, die sie zu dieser „Erkenntnis“ führt oder ob es parteipolitisches Kalkül und gar persönliche Gründe sind, die sie so etwas sagen lassen – denn glauben kann sie das wohl selber nicht – bleibt dahingestellt. Die türkis-grüne Regierung hat in der Pandemiestrategie bestimmt nicht alles richtig, aber im internationalen Vergleich ihre Sache gar nicht so schlecht gemacht. Rendi Wagner muss wohl übersehen oder überhört haben, dass Herbert Kickl den Österreicher/-innen einreden will, dass ein Mund- und Nasenschutz völlig unnötig ist, und das öffentlich und im Hohen Haus demonstrativ zur Schau trägt. Rendi Wagner muss doch gelesen haben, welche Hausmittel Kickl den Österreichern zum Schutz gegen eine Covid-19-Infektion empfiehlt. Rendi Wagner muss doch mitbekommen haben, dass Herbert Kickl sich ganz auf die Coronawelle draufsetzt, um in deren Sog sich aus dem politischen Nach-Ibiza-Tief zu manövrieren und als neuer starker FPÖ-Anführer zu positionieren. Pamela Rendi Wagner, ausgebildete einschlägige Fachärztin und Chefin einer staatstragenden Partei, erkennt zwischen der niedrigen Impfquote in Österreich und dem ganz gezielten Sturmlauf Herbert Kickls gegen die Impfung offensichtlich keinen kausalen Zusammenhang? Natürlich erkennt sie ihn, aber sie will es sich mit den 40 % Impfunwilligen nicht ganz verderben, um auch in diesem Pool Stimmen zu „fischen“. Außerdem könnte sie Herbert Kickl noch als Steigbügelhalter für eine mögliche Kanzlerin-Zukunft brauchen. Sie wollte ihn dazu ja schon ins Boot holen. Ein erniedrigender politischer und persönlicher Opportunismus der derzeitigen Chefin der österreichischen Sozialdemokratie. So tief sitzt der Schock, dass sie Kurz – die Wahrheit der gegen ihn erhobenen Vorwürfe muss von der Justiz restlos aufgeklärt werden – politisch nie gewachsen war, von ihrer eigenen Partei auch immer wieder gedemütigt wurde und ihre Partei unter ihrer Führung im Vierzehntagerhythmus über „das eigene Haxl“ gestolpert ist. Der Herbert Kickl ist offensichtlich schuldlos an der niedrigen Impfquote – jetzt wissen wir es endlich.

 

© Josef Gredler