Josef Gredler

Grober Denkfehler in der Wolfsdiskussion

 

    Die vielen und kontinuierlichen Schafsrisse durch Wölfe haben die ganze Wolfsdiskussion verständlicherweise sehr angeheizt. Von Wolfsbefürwortern, die trotz allem die Ansiedlung des Wolfes in unseren Regionen der Weidewirtschaft und Nutztierhaltung weiterhin gutheißen, hört man dann: Ja, das ist halt die Natur!

    Das klingt im ersten Moment fast überzeugend, stimmt aber nicht. Sicher, der Wolf ist ein Beutegreifer, in dessen Natur es liegt, Beutetiere sehr grausam zu töten oder ihnen ein qualvolles späteres Verenden zu bereiten. In der freien bzw. wilden Natur stehen Beutegreifern bzw. Raubtieren schwächere potentielle Beutetiere gegenüber, aber nicht wehrlos. Deren Chance gegen den stärkeren Beutegreifer besteht in der Flucht. Die Natur sorgt für eine biologische „Chancengleichheit“. In der Natur gelingt es dem Fluchttier viel öfter zu entkommen, als dem Beutegreifer der Riss gelingt. Bei den beklagten unzähligen Schafsrissen kann man nicht mit den natürlichen Gesetzen in der Natur argumentieren, denn da werden von Menschen Schafe auf Weideflächen gebracht, in die der Wolf eindringen darf. Nun sind die Schafe aber keine Fluchttiere und haben auch gar keine Möglichkeit, einem Wolf zu entfliehen, was dem Gesetz der Natur zufolge sein müsste.

    Den Befürwortern der Ansiedlung des Wolfes in den weidewirtschaftlich genutzten Regionen muss man entgegenhalten: Man könnte die Schafe genauso gut anbinden und so für den Wolf bereithalten, was auch schon geschehen ist. Das natürliche Gesetz von Beutegreifer und Fluchttier hebt der Mensch auf, der zwei widersprüchliche Situationen unter einen Hut bringen will: Weidewirtschaft mit Nutztieren einerseits und freie = wilde Natur für den Wolf oder den Bären andererseits.

 

© Josef Gredler