Josef Gredler

Die Corona-Lektion verstehen und ernstnehmen

 

     Corona hat die die ganze Welt in eine Krise gestürzt, das öffentliche Leben weltweit zum Stillstand gebracht. Erst die Zeit danach wird man uns umfassend wissen lassen, was genau Corona war. Über diese Corona-Krise werden noch viele Geschichten und Bücher geschrieben werden. Sie wird eine Zäsur in unserer Lebensgeschichte bleiben. Corona wird uns lange nachher noch lange beschäftigen und in ihren Folgen anhaltend spürbar sein. Was danach alles kommen wird, lässt sich nicht wirklich sagen. Gewiss ist, dass die Welt nach Corona nicht mehr dieselbe sein wird und auch nicht sein darf, die sie vorher war. Die Welt wurde plötzlich aus dem „Schlaf“ gerissen, in dem die Bewohner der Erde dabei waren, diese ihre Welt in gedankenloser Trance ungebremst an die Wand zu fahren. Da stieg ein winzig kleines Virus auf die Notbremse. Ob dieses Virus Covid 19 den Aufprall wirklich verhindert oder nur hinausgezögert hat, hängt von uns ab, davon, ob wir diese Notbremsung begreifen und danach unsere Fahrt langsamer, behutsamer, verantwortungsvoller, weiser fortsetzen – damit diese Welt uns und den nachkommenden Generationen Raum des Lebens bleibt und nicht zum Friedhof wird.

     Wirtschaftswachstum, Produktionssteigerung, Luxusmaximierung, Kapitalexpansion, Ressourcenvernichtung, Umweltzerstörung, Globalisierungswahn, hemmungslose Maßlosigkeit… und das alles nach dem Prinzip „immer höher, weiter, schneller“ ist die selbstzerstörerische Dynamik, mit der sich unsere Erde und wir mit ihr wie eine Todesspirale nach unten dreht, wenn wir nicht unseren Lebensstil ändern und alte, vergessen geglaubte Tugenden wieder beleben wie… mehr Bescheidenheit und Zufriedenheit in unseren Lebensansprüchen, mehr Behutsamkeit und Rücksicht, mehr Verantwortung für die Überlebenszukunft.

     Angenommen, jede*r würde sich hinsetzen, in sich gehen und überlegen und auf ein leeres Blatt Papier schreiben, was er*sie einzeln und im globalen Kollektiv tun kann oder muss, um die Lektion zu begreifen, die uns dieses Virus erteilt hat. Würde man dann alle diese Blätter „übereinanderlegen“, was käme heraus? Vielleicht das:

Essen ist ein Grundbedürfnis des Menschen, lebenserhaltende Notwendigkeit und etwas Schönes und Genussvolles. Wir dürfen es aber nicht aus dem großen Zusammenhang des Lebens und der Welt reißen: Bewahrung der Schöpfung beginnt auf unserem Teller. Es darf mir nicht gleichgültig sein, woher die Lebensmittel kommen, wie und wo sie angebaut werden, wie die Tiere gehalten werden, wie gesund oder nachhaltig das ist, was und wie wir es essen?

Wohnen schafft Zuhause, Geborgenheit und Sicherheit. Um Wohnung zu schaffen, benötigen wir Wohnfläche, Baustoffe, Energie… Aber diese sind nicht unbegrenzt vorhanden. Wenn ich mir mehr davon nehme, als mein Anteil an den Ressourcen sein kann, dann geht sich die Rechnung langfristig nicht aus. Wenn ich nicht nachhaltige Energielösungen suche und dazu beitrage, dann gefährde ich den Lebensraum Erde.

Einkaufen ist unsere Möglichkeit, das zu bekommen, was notwendig ist, was das Leben angenehm macht, Freude und Genuss bereitet. Wenn ich in meinem Konsumverhalten das gesunde Maß überschreite, trage ich bei zur Maßlosigkeit, die unsere Zukunft bedroht. Wenn ich gesunde, naturbelassene, regionale, saisonale und fair hergestellte Produkte kaufe, schone ich die Umwelt und sorge ich für mehr Fairness und Gerechtigkeit. Wenn ich gleichgültig und bedenkenlos kaufe, egal woher und wie produziert und verpackt, belaste ich die Umwelt und schade ich der Gesundheit. Wenn ich gedankenlos Plastikverpackungen anhäufe, schwimmt auch mein Plastik im Meer.

Mobilität gibt uns das Gefühl der Freiheit, öffnet uns die Tür zur Welt, verbindet uns miteinander und ermöglicht Begegnungen. Diese Mobilität hat aber auch ihren Preis. Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Je weniger ich mein Auto benütze, desto mehr Emissionen vermeide ich. Umweltschonende Motoren und gemeinsame, öffentliche Fortbewegungsmöglichkeiten helfen, Emissionen zu vermeiden. Unverhältnismäßige Wegstrecken zu Land, zu Wasser oder in der Luft belasten und zerstören die Erdatmosphäre. Je weniger Flugzeuge den Himmel zerpflügen, je weniger Kreuzfahrtmonster über die Meere fahren, je weniger Autos wie Ameisen unsere Straßen frequentieren, desto mehr schonen wir die lebensnotwendige Atmosphäre, die unsere Erde einhüllt.

     Corona wird irgendwann wieder (fast) vorbei sein. Ob wir die Lektion verstanden haben, die uns Covid 19 erteilt hat oder nach diesem globalen und unfreiwilligen Stillstand wieder volle Fahrt aufnehmen und ungebremst fortsetzen…?

 

© Josef Gredler