Josef Gredler

In Memoriam Pfarrer Ewald Gredler

 

     Zwischen dem 26. Mai 1944 und dem 9. Jänner 2018 spannt sich der Lebensbogen von Pfarrer Ewald Gredler, der dann völlig unerwartet ganz plötzlich abbricht, so schmerzlos und leicht, wie ein Blatt sich vom Baum löst und zu Boden fällt. Mit seinem frohen Ja zum Leben geht er an seinem letzten Lebensabend zu Bett. Am Morgen findet man ihn tot neben seinem Bett am Boden liegen. Auf seinem Nachtkästchen liegt das Buch „Die Zeit ist erfüllt“. Die Obduktion ergibt, dass er im Schlaf an einem schweren Herzinfarkt innerhalb weniger Sekunden verstorben ist. Er kann nichts gespürt haben, sagt der obduzierende Arzt. Einen Tag vorher noch hat er in einem Trauergespräch mit den Angehörigen eines ebenso schnell und schmerzlos Verstorbenen gemeint, dass er auch einmal so sterben möchte.

     Ewald hatte die Lehre als Maler abgeschlossen und weil der Vater zwei Jahre vorher ganz plötzlich verstorben war, hat sein Mutter gehofft, er würde als großer Bruder seinen beiden jüngeren Geschwistern  ein wenig den Vater ersetzen. Stattdessen kam er eines Tages von einem Wochenende mit der Katholischen Landjugend nach Hause und sagte, er möchte Priester werden. Eine Berufungsgeschichte nahm ihren Lauf, Ewald ließ seine Malerpinsel liegen und… Obwohl seine Mutter eine fromme gottergebene Frau war, erfüllte sie dieser Wunsch zuerst mit Schrecken, Angst und Zweifel. Sein großer Freund – sie waren einander wie Brüder –, mit dem er eine sehr schöne und bewegte Kindheit und Jugendzeit verbracht hatte, konnte es nicht glauben. Mit dem Gebet     der Mutter und der Unterstützung vieler Leute aus dem Dorf ging Ewald seinen Weg, besuchte das Aufbaugymnasium im Zisterzienserstift Stams, maturierte dort mit Auszeichnung und wurde am 3. Juni 1973 zum Priester geweiht. Mit Worten von Huub Osterhuis legte er die Geleise in seine Zukunft als Priester und Pfarrer: Lass mich dienen ohne Aufdringlichkeit, lass mich anderen helfen, ohne sie zu demütigen! Mach mich dem Boden vertraut und allem, was niedrig ist und unansehnlich, dass ich mich kümmere, um was sich niemand kümmert, und lehre mich warten, zuhören und schweigen. Solche Worte konnte man damals noch selten auf den Primizbildchen neugeweihter Priester lesen. Der Pfarrer Ewald Gredler blieb diesen Worten treu bis zum letzten Tag.

     Als am 9. Jänner die Nachricht vom plötzlichen Tode durch Oetz und Sautens eilte, wo Ewald seit fünfundzwanzig bzw. sieben Jahren Pfarrer war, legte sich große Traurigkeit über beide Gemeinden, wurde viel geweint. Man konnte, man wollte es nicht glauben. Doch bald schon erhoben sich aus dieser Traurigkeit zarte Triebe neuer Hoffnung, wie Pfarrer Ewald es sich gewünscht hätte. Es war, als würden aus den dunklen Rissen des Schmerzes schon verheißungsvoll Lichter einer neuen Zuversicht leuchten. Eine ganze Stunde lang gingen Menschen, Alt und Jung, beim Sterberosenkranz in Zweierreihe nach vor zum Sarg und entzündeten an den Stufen des Altars ein Licht. Es waren Lichter des Schmerzes, aber auch großer Dankbarkeit und einer großen Zuversicht in das Kommende. Die Begräbnisfeier wurde zu einem großen, bewegenden Abschiedsfest. An diesem strahlend schönen Wintertag schien es, als hätte sich der Himmel über der Anhöhe der Pfarrkirche in Oetz geöffnet. Die Menschen bereiteten ihrem Pfarrer einen Abschied, in dem wie in der finalen Coda einer großen Sinfonie alles noch einmal lebendig wurde, was Ewald als Pfarrer versucht hatte, was er sein wollte, was er geben und leben wollte. Es waren ganz außergewöhnliche Stunden an diesem Mittag über Oetz.

     Von den zweitausend Sterbebildchen lächelte ein Pfarrer so, wie ihn alle kannten, voller Herzlichkeit, Zuwendung und Wohlwollen. Dieses Lächeln war nicht ein außergewöhnlicher Moment, von der Kamera eingefangen und festgehalten, es war sein „alltägliches“ Gesicht. So hat er die Menschen angeschaut, wenn er ihnen begegnete, wenn er unterwegs bei jemandem stehenblieb, um ein paar Worte zu wechseln, wenn er bei der Tür hereinkam, wenn er mit dem Kreuzzeichen den Gottesdienst eröffnete. Es war ein Lächeln, das einfach von innen kam als logische Folge, dass er die Menschen ganz von innen heraus mochte und auch selber frohen Mutes war und nicht daran zweifelte, dass er eine frohe, gute Botschaft für die Menschen hat. Dieses herzlich-wohlwollende Gesicht war sein Markenzeichen. Wenn er Kindern begegnete, wurde dieses Lächeln noch etwas breiter. Am meisten strahlte sein Gesicht, wenn er einen Täufling wie ein Geschenk des Himmels liebevoll in den Armen halten durfte. In der Hierarchie seines Lebens standen die Kinder ganz oben. So sollten auch die Kinder und die Ministrantinnen und Ministranten die ersten sein, die ihre Worte des Abschieds an Ewald richten durften. Ganz rührend bat ein Ministrant vor dem Sarg seines verstorbenen Pfarrers mit weinerlicher Stimme, dass „wir hoffentlich wieder so einen Pfarrer bekommen, der uns auch so gern mag wie du“. Den Menschen herzlich begegnen war ihm wichtig und selbstverständlich wie das Atmen. Und mit diesem herzlichen Gutsein hat er Menschen bestärkt, an einen guten und liebenden Gott zu glauben. Man hat ihm geglaubt, dass der „liebe Gott“ wirklich ein liebender Gott ist. Dieses Gutsein durfte aber nicht an den Grenzen seiner Pfarrgemeinden Halt machen. Als erster Pfarrer der Diözese öffnete er das Pfarrhaus für Kriegsflüchtlinge aus Syrien. Die Straßenkinder waren zwar weit weg in Rumänien, und doch fühlte er sich auch ihnen nahe. Pater Sporschil war ihm eine priesterliche Leitfigur. Menschen, die die Last des Lebens besonders zu spüren kamen, fühlte er sich besonders verbunden.

     Dieses Gut-zu-den-Menschen-Sein konnte ihn aber auch zu heftigem Widerspruch und Widerstand bewegen. Wenn er der Meinung war, dass der Mensch, das Menschliche zu wenig Beachtung finden, dann konnte er nicht mehr zurückhalten und musste – ansonsten kein Liebhaber des strengen Wortes – seine Stimme zu klaren und deutlichen Worten erheben. Mehr als einmal legte er sich mit der diözesanen Finanzkammer an, wenn ihr Verwalten von materiellem Besitz seiner Meinung nach nicht mehr dem Evangelium gerecht wurde. Kirche muss in ihren großen und kleinen Strukturen den Menschen, das Menschliche immer über Geld und materiellen Besitz stellen. Kirchliche Fragen und Probleme durften nach Pfarrer Ewald Gredler nicht hierarchisch ignoriert oder tabuisiert werden, sondern mussten offen ausgesprochen und besprochen werden. So war er auch Mitglied der Pfarrerinitiative, weil die Kirche vor ihren Problemen nicht die Augen verschließen darf. Für kirchliche Vorgesetzte war er nicht immer der handsame Pfarrer. Auch wenn er die römische Vorgangsweise bei der Ernennung eines neuen Bischofs für die Diözese Innsbruck ganz entschieden verurteilte, setzte er große Hoffnungen in die Person des neu ernannten Bischofs Hermann Glettler. Als dieser dann selber zur Begräbnisfeier von Pfarrer Ewald Gredler nach Oetz gekommen war und am darauffolgenden Sonntag die erste „Vertretung“ des verstorbenen Pfarrers übernahm und mit den beiden verwaisten Pfarren die Sonntagsmesse feierte, überbrachten Oetzer und Sautner Schäfchen dem neuen Hirten der Diözese ihr großes Herzensanliegen, ihnen einen Pfarrer zu schicken, der an das anknüpft, was in vielen Jahren in beiden Gemeinden gewachsen ist.

     Pfarrer Ewald war ein Pragmatiker und Praktiker mit Herz. Weisungen und Vorschriften mussten so sein, dass man sie den Menschen erklären kann, dass Menschen sie verstehen können. Er wollte Kirche plausibel und einladend machen. In diesem Licht sah er auch die Frage der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion. Auch denen, die am Rande der Kirche stehen, wollte er unaufdringlich Gehör und Aufmerksamkeit schenken. Auch die von der Kirche Ausgetretenen blieben ihm ein Anliegen. Auch sie haben um Pfarrer Ewald getrauert. Eine liebende Kirche musste seiner Meinung nach ihre Tore weit offenhalten und in der Beurteilung menschlicher Situationen eine verständnisvolle, barmherzige Kirche sein. So führte er in der von ihm aufgebauten Pfarre St. Pirmin in Innsbruck in den Achtzigerjahren sogenannte „Krabbelmessen“ ein, ein für traditionsfixierte Katholiken fast blasphemischer Begriff. Mütter, Väter, Ehepaare, Alleinerziehende sollten ihre noch krabbelnden und manchmal eben auch lauten Kinder stressfrei in den Gottesdienst mitnehmen dürfen, ohne Angst vor vorwurfsvollen Blicken. Pfarrer Ewald waren diese Kinder keine Störung. Die Väter und Mütter und Paare, die mit ihren kleinen Kindern – auch von auswärts –  gekommen waren, haben diese offene Kirchentür dankbar angenommen. Es war damals noch eine provisorische Holzkirche, die richtige Kirche war noch nicht gebaut. Pfarrer Ewald wollte mit dem Bau von Kirche bei den Menschen anfangen. So besuchte er in einem Zeitraum von zwei Jahren alle Haushalte, alle Familien, alle Bewohner der großen, neuen Pfarre am Stadtrand von Innsbruck. Menschen sollten wissen, da ist ein Pfarrer, der möchte für sie da sein. Ein alter Bus, der neben der Behelfskirche abgestellt war, diente als provisorisches Jugendheim… Als am Begräbnistag von Pfarrer Ewald, dreißig Jahre später, am Abend in St. Pirmin für ihn ein Gedenkgottesdienst gefeiert wurde, war diese Kirche – mittlerweile ein großes, schönes Gotteshaus – zum Bersten voll.

     Wie kann ein Pfarrer immer so gut aufgelegt sein? Ewald Gredler lebte aus einem ganz tiefen und großen Urvertrauen. Aus diesem Urvertrauen konnte er dem Leben trauen und den Menschen und sich selber und schließlich Gott trauen und vertrauen – manchmal wie ein Kind. Die Saiten seines Inwendigen waren auf Trauen und Vertrauen gestimmt. Und ihre Schwingungen übertrugen sich auf andere. Pfarrer Ewald fand immer frohe, gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Er ließ sie spüren, wie sehr er ihrer Hilfe bedurfte und dieser vertraute. Vertrauen war so ein „Urstoff“, aus dem er sein Umfeld aufzubauen versuchte. Und so konnten die unterschiedlichsten Talente vieler wie gute Gaben lebendig werden. Menschen, die ihn gut kannten, sagten von ihm, dass er ein glücklicher Mensch war. Aber darf man in einer so bedrohten Welt noch glücklich sein? Pfarrer Ewald hat nicht gefragt, ob er es darf, er war es. Er war voller Lebensfreude, ohne vor den Finsternissen dieser Welt die Augen zu verschließen, er wollte die Schönheit und Freude des Augenblicks aufspüren, die schönen Seiten des Lebens aufschlagen, ohne die dunklen zu überblättern, den schönen „Dingen“ des Lebens Zeit und Raum schenken, auch wenn sie klein und unscheinbar sind. Es machte ihm Freude, mit Menschen bei einem guten Essen zu sitzen und ein gutes Glas Wein zu trinken. Konferenzen, Besprechungen und Beratungen sollten nicht zu lange dauern und fanden meist an einem gedeckten Tisch ihre Fortsetzung. Er war überzeugt, dass das Wesentliche oft in diesem „Teil“ geschieht. Er legte auch selber gerne und gut Hand an und erfreute andere mit seinen Kochkünsten. In seiner Nähe war immer gute Stimmung. Woher kam seine große Gelassenheit? Aus einer großen inneren Freiheit, frei auch von Angst.  Mehr als einmal sagte er, er hat keine Angst vor dem Tod. Oft wunderten sich andere über seine Gelassenheit. Er ließ sich tatsächlich kaum aus der Ruhe bringen. Als Student war er viel mit Freunden in seinem alten Auto unterwegs. Als in Skandinavien einmal plötzlich Feuer aus dem Zigarettenanzünder seines Autos den „Himmel“ des Wageninneren verschmorte, löschte er den Brand, ließ dann aber das Auto Auto sein und zelebrierte den geplanten Grillabend. Erst am nächsten Tag kümmerte er sich um das beschädigte Auto. Die Menschen waren gerne in seiner Nähe, weil seine Herzlichkeit, Heiterkeit, Ruhe und Gelassenheit guttaten. Ewald lebte ganz in der Unmittelbarkeit, er war immer ganz anwesend, hier und jetzt.

     Ewald war künstlerisch, musikalisch und handwerklich überaus begabt. Seinen Primizkelch hatte der Goldschmied seiner Heimatgemeinde nach Ewalds Plänen gefertigt. Mit großer graphischer Begabung gestaltete er pfarrliche Einladungen und Plakate. Als ehemaliger Schlagwerker bei der Musikkapelle überraschte er seine Pfarrkinder bei Festen gerne, indem er selber sich zum Schlagwerk der Musikkapelle stellte und die große Trommel oder die Tschinellen schlug. Als er seine Liebe zum Weben entdeckt hatte, schuf er kunstvolle Teppiche, baute sogar die Webstühle dazu selber und führte Interessierte in die Kunst des Webens ein. Er war überzeugt von der befreienden und heilenden Kraft kreativen Schaffens. Seine große künstlerische Liebe wurde jedoch das Gestalten mit Ton. Wenn er da Hand anlegte, war er ganz bei sich. Seine Werke waren von großer Ausdruckskraft, Ewald war ein Künstler. Von ihm gibt es schöne Vasen, Schalen, Brunnen, ausdrucksvolle Skulpturen. Für die Kommunionspendung in seinen Pfarren sind schöne, von ihm gefertigte Tonschalen in Verwendung. In seinem Schrank steht ein vollständiges Speiseservice, von ihm entworfen, geformt, glasiert und gebrannt. Keramikkünstler ehrten ihn damit, dass sie ihn als einzigen Autodidakten zu ihrem internationalen Symposion nach Deutschland einluden. Im diözesanen Bildungshaus in St. Michael gab er im Sommer gut besuchte Töpferkurse bzw. Töpferwochen. Sie waren für ihn Wege zu den Menschen und Wege zu Gott. Im kreativen Gestalten sollten auch spirituelle Kräfte frei werden. Im Pfarrhaus in Oetz hatte er eine eigene Töpferwerkstätte eingerichtet, in der er sich regelmäßig mit Töpfergruppen traf, um sich auf „handgreifliche“ Art mit religiösen Symbolen auseinanderzusetzen und biblischen Gestalten zu nähern. Die geschaffenen Werke wurden dann in Ausstellungen der Öffentlichkeit präsentiert. Pfarrer Ewald war davon überzeugt, dass das seelsorgliche Wirken eines Pfarrers nicht immer nur die direkten Wege gehen, sondern sich auch auf Umwege, Nebenstraßen und Seitengassen wagen soll. Vieles wurde von Pfarrer Ewald so nebenbei oder zwischendurch „verkündet“, immer ganz unaufdringlich, nie vereinnahmend. Das Wort sollte sich im Tun spiegeln.

     Damit diese Seiten ehrlich und wahr bleiben, soll auch eine ganz ausgeprägte „Schwachstelle“ von Pfarrer Ewald nicht verschwiegen werden. Formulare und deren sorgfältige Verwahrung in Ordnern und Büroschränken, kurzum Verwaltung und Administration, waren wirklich nicht das Seine und hielt er lieber auf Distanz, obwohl er um deren Notwendigkeit wusste. Er brauchte und suchte und fand Menschen, die da für ihn einsprangen und seine Schwäche auffingen. Seit zwei Jahrzehnten hielt ihm im Pfarrbüro die liebenswerte Elfi den Rücken frei. Ohne sie wäre es nicht gegangen, der Pfarrer Ewald wusste das und war ihr sehr, sehr dankbar dafür. Er meinte dazu mit einer Mischung aus Humor und wohl auch ein wenig schlechtem Gewissen, Gott habe ihn zum Priester berufen, nicht zum Buchhalter. Hätte er diesen Part spielen müssen, hätte er nicht der Pfarrer sein können, den die Leute so geschätzt und geliebt haben. Es konnte tatsächlich einmal passieren, dass er zu einem Termin zu spät kam oder diesen sogar versäumte. Die Leute nahmen das ihrem Pfarrer aber nicht übel. Einmal kam er wirklich zur spät zur Taufe. Trotz der verständlichen Nervosität der Betroffenen meinte dann der Vater des Täuflings „Ewald, Hauptsache, dass du jetzt da bist“. Weil Pfarrer Ewald um seine große Schwachstelle wusste, war er aber auch selber nachsichtig, wenn ihm einmal solches selber widerfuhr und hat die Vergesslichkeit anderer nie kritisiert, auch wenn er der Betroffene war. Verlässliche Säulen wie Josef, sein Mesner, bildeten das organisatorische Rückgrat für den Pfarrer. In seine Hände legte Ewald voll Vertrauen auch pastorale Aufgaben. Frau Johanna Pienz war als stellvertretende Obfrau mit ihrem Pfarrgemeinderat der verlässliche Motor der lebendigen Gemeinde. Die wirtschaftlich-finanzielle Last der Pfarre wäre für Ewald, den Pfarrer, ein Kreuz gewesen, das nahm Hansjörg, der Bürgermeister und Vorsitzende des Pfarrkirchenrates, auf seine Schultern.

     Zu Auszeichnungen und Ehrungen hatte Pfarrer Ewald ein eher distanziertes, kritisches Verhältnis. Er blieb, wenn es um seine Person ging, lieber im Hintergrund. Wenn er mit Lob und anerkennenden Worten bedacht wurde, gab er diese sofort weiter an seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Als er von der Gemeinde Oetz zum Ehrenbürger und Ehrenringträger ernannt wurde, machte er eine Ausnahme von seiner Zurückhaltung und freute sich darüber wie ein Kind, weil er spürte, wie aufrichtig diese Ehrung gemeint war und wie sehr sie aus dem Herzen der politischen Verantwortungsträger der Gemeinde kam. Er verstand diese Auszeichnung als öffentliche herzliche Anerkennung seiner Vision von Pfarre und Pfarrer, die er mit seelsorgender Leidenschaft lebte. Dass er so viel von dieser Vision in Oetz und dann auch in Sautens verwirklichen konnte, verstand er immer als Geschenk seiner „Oetzer und Sautner“, die er bis auf den Grund seiner Seele mochte und ins Herz geschlossen hatte.

     Pfarrer Ewald wollte nie der unverzichtbare Mittelpunkt seiner Pfarrgemeinden sein. Seine Gemeinden sollten auch ohne Pfarrer imstande sein, auf eigenen pastoralen Beinen zu stehen. Auf keinen Fall sollte mit ihm, dem Pfarrer, alles fallen und stehen. Er hätte sich gefreut, wenn er gehört hätte, wie am Tag seiner Beerdigung mich ein „gestandener Mann“ der Pfarre beiseitegenommen und gesagt hat: „Wir sind sehr, sehr traurig, aber wir sind auch sehr dankbar, dass wir den Ewald gehabt haben, und wir sind voll von der Zuversicht, die uns der Ewald immer gelehrt und jetzt zurücklassen hat. Wir werden in seinem Sinn weitermachen, auch wenn er nicht mehr da ist.“ Pfarrer Ewald hätte, pardon, hat sich sicher sehr gefreut, als er das hörte.

 

© Josef Gredler