Josef Gredler

 

 Warum braucht es einen konfessionellen Religionsunterricht?

 

Sieben kurze und unvollständige Antworten auf die Frage, warum der Staat in seiner Bildungsverantwortung selber ein Interesse daran haben soll, dass es in „seinen“ öffentlichen Schulen konfessionellen Religionsunterricht gibt:

 

  1. Wenn man Bildung im Sinne eines humanistischen Bildungsbegriffes gesamtmenschlich und persönlich versteht, also den ganzen Menschen in seiner Person meint, dann darf sie sich nicht im Sinne bloßer Ausbildung nur auf die Vermittlung von Kenntnissen, Fähig-keiten und Fertigkeiten beschränken, sondern muss den Menschen zur Teilnahme am geistigen Leben befähigen und ihn in auch in seiner religiösen Veranlagung und transzen-denten Ausrichtung anerkennen, ernst nehmen und durch religiöse Bildungsmöglichkeit fördern .
  1. Eine Schule, die sich der Vermittlung von Werten verpflichtet weiß, muss berücksichti-gen, dass Wertevermittlung nicht bloß informierend aus einer quasi neutralen Position möglich ist, sondern Werte nur von jenen authentisch vermittelt werden können, die sich selber zu diesen Werten bekennen und davon zu leben versuchen. Werte können letztlich nur bezeugt, aber nicht durch bloße Information vermittelt werden.
  1. Bildung darf Religion nicht nur als Phänomen betrachten und in versuchter Äquidistanz zu den Religionen sich auf neutrale Religionskunde beschränken. Bildung muss Men-schen, die sich zu einer Religion bekennen, begleiten. Dieses Begleiten ist nur jenen möglich, die sich selber zur Religion bekennen. Religionsunterricht kann daher in seinem Wesen immer nur konfessionell sein. Nur konfessionell geprägter, bezeugender Religions-unterricht eröffnet einen gebildeten Zugang zur Religion.
  1. Die prinzipielle Trennung von Staat und Kirche ist durch den konfessionellen Religions-unterricht weder gefährdet noch relativiert. Wenn der Staat die Präsenz von Religion in der öffentlichen Schule nicht mehr zulässt, indem er den konfessionellen Religionsunter-richt direkt oder indirekt verhindert, kommt dies einem Öffentlichkeitsverbot der Religion durch den Staat nahe.
  1. Eine so vollzogene Trennung von Staat (Schule) und Kirche wäre eine Verabschiedung des in Österreich bewährten Kooperationsmodells von Staat und Religion und würde jene Schüler/innen bevorzugen, die keiner Kirche angehören, weil diese in ihrer Identität staatlich gefördert werden. Und sie würde gleichzeitig jene Schüler/innen benachteiligen, die einer staatlich anerkannten Kirche oder Religionsgemeinschaft angehören, weil ihrer Identität in der Schule kein Platz eingeräumt wird.
  1. Religion kann auch nicht völlig losgelöst von der kulturellen Tradition, der Identität und den geschichtlichen Wurzeln eines Lebensraumes werden. Der für umfassende Bildung seiner Bürger verantwortliche Staat würde diesen gleichsam die Nabelschnur durch-trennen, durch die sie mit der kulturellen bzw. religiösen Tradition ihrer Heimat und Umwelt verbunden sind.
  1. Konfessioneller Religionsunterricht muss letztlich immer auch ein Dialog, Toleranz und Menschlichkeit fördernder Religionsunterricht sein. Da auch die Schule wie alle anderen Lebensräume von zunehmender Entmenschlichung und wachsender Gewalt bedroht ist, ist ein solcher Religionsunterricht in der Schule im wahrsten Sinn des Wortes notwendig.

© Josef Gredler